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“in ihren unterschiedliche Dimensionen berücksichtigt” – “in ihren unterschiedlichen Dimensionen berücksichtigt”.

Korrektur: Selbstverständlich: “dass die Frauen die Kriegsarbeit”.

“Dabei wird deutlich, dass die Frauen die” – “Dabei wird deutlich, dass die Frauen, die”

” die während des Krieges in Schreibbüros eingezogen sind” – entweder “einzogen” oder “eingezogen waren” oder “eingezogen worden waren”.

“Die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg währten” – gemeint: “wirkten”

“Die Halbtagsarbeit hatte sich während des Krieges zwar nicht durchgesetzt, erst in der Nachkriegszeit bildete es” – Der Bezug auf “Halbtagsarbeit” erfordert “sie”, auch wenn “Modell” folgt.

Zu: “Frauen egal ob erwerbstätig oder nicht, verbrachten …” Wenn schon ein Komma zwischen Subjekt und Prädikat steht, dann sollten es zwei sein: “Frauen, egal ob erwerbstätig oder nicht, verbrachten …”.
Zu “Volksgemeinschaft bitte auch nach dem Wort Gänsefüßchen.

Statt: “In denen von Michael Buddrus …” bitte “In den …”

Nicole Kramer: Haushalt, Betrieb, Ehrenamt: Zu den verschiedenen Dimensionen der Frauenarbeit im Dritten Reich

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Frauenarbeit lässt sich nicht auf Erwerbsarbeit reduzieren. Der Blick auf den weiblichen Teil der Bevölkerung lenkt die Aufmerksamkeit ebenso auf Haus- und Familienarbeit sowie außerhäusliche unbezahlte Arbeit – wie z.B. ehrenamtliche Tätigkeiten oder auch Dienste. Die Frauenforschung hat früh argumentiert, dass eine Verengung des Arbeitsbegriffs auf Lohnbeschäftigung, wie sie im Laufe des 20. Jahrhunderts üblich wurde, nicht sinnvoll ist, wenn man sich mit dem weiblichen Teil der Bevölkerung beschäftigt. 1

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Im Zentrum des Beitrags steht die Entwicklung der Frauenarbeit im Dritten Reich, wobei Lohn- ebenso wie Haus- und Familienarbeit in die Betrachtung einbezogen werden sollen. Dabei geht es nicht darum, einen bloßen Überblick zu geben, vielmehr setzt der Beitrag voraus, dass sich die Entwicklung der weiblichen Erwerbsarbeit erst mit Blick auf die Haushalts- und Familienrolle von Frauen umfassend erschließen lässt. Die Zeit des Nationalsozialismus bietet insofern ein vielversprechendes Untersuchungsfeld, als in der Theorie nicht Gelderwerb und Mehrung materieller Werte als Zweck der Arbeit galten, sondern der Nutzen für die ‚Volksgemeinschaft’. Dies förderte – zumindest propagandistisch – eine Aufwertung nichtbezahlter Tätigkeiten (also auch Haus- und Familienarbeit). 2

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Das Thema Frauenarbeit, insbesondere Lohnarbeit, stand von Anfang an auf der Agenda der Frauengeschichte. Gründe hierfür sind zum einen in den feministischen Debatten der 1970er und 1980er Jahre über die gesellschaftlichen Bedingungen der Frauenarbeit zu suchen, die die geschichtswissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema antrieben. 3 Zum anderen hat dies mit der Herkunft der Frauengeschichte aus der Sozialgeschichte zu tun. Feministische Historikerinnen entwickelten in kritischer Auseinandersetzung mit der Arbeitergeschichte das dekonstruktivistische Potential ihres Ansatzes. Sie ersetzen die Zentralkategorie der Klasse, die sie als auf den Mann zentriert entlarvten, durch die des Geschlechtes, das ihrer Meinung nach umfassender, weil dem Produktionsprozess vorgelagert, war. 4

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Insbesondere für die NS-Zeit bildete die Geschichte der Frauenlohnarbeit ein populäres Forschungsfeld, galt der Frauengeschichtsschreibung dieser historische Abschnitt doch als besondere Ausprägung patriarchalischer Unterdrückung von Frauen und Arbeitern.  5 Auch mit der Weiterentwicklung zur Geschlechtergeschichte bildete der Gegenstand der Frauenerwerbsarbeit weiterhin einen Schwerpunkt der Forschung, wenngleich sich Deutungsrahmen merklich verschoben. Die Aufmerksamkeit richtet sich weg von Industriearbeit hin zu Angestelltenberufen, Landwirtschaft und dem Dienstleistungssektor. 6 Weibliche Erwerbsarbeit thematisierte vor allem auch die Täterinnen-Forschung, die zwar nach der Beteiligung an den nationalsozialistischen Verbrechen fragen. Dennoch geben viele dieser Studien Auskunft über berufliche Ausbildung, Rekrutierung, Arbeitsbedingungen und Karrierewege von Frauen. 7

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Der Zugang zum Thema der Frauenarbeit im Dritten Reich war seit jeher auch immer ein herrschaftsgeschichtlicher, d.h. die Frage, welche Haltung des Regimes gegenüber Frauen – und umgekehrt – sich hierin widerspiegelte, stand im Zentrum. Der Primat des Politischen drückte sich in der Deutung der Verdrängung aus dem Arbeitsmarkt als Unterdrückung von Frauen aus, die diese zu Opfern im Nationalsozialismus machte, wie vor allem die frühe frauengeschichtliche Forschung argumentierte. Die Weigerung vieler Frauen, den Dienstverpflichtungen im Krieg nachzukommen, lasen die Forscher und Forscherinnen durchaus unterschiedlich: Die einen als Beispiel für die Privilegierung bürgerlicher Schichten, die sich der Arbeitspflicht entziehen konnten, die anderen als Beleg für die Distanzierung innerhalb der weiblichen Bevölkerung gegen die nationalsozialistischen Mobilisierungsansprüche und damit auch gegen das NS-Regime an sich. Die Täterinnenforschung konzentrierte sich schließlich systematisch auf die Mitwirkung von Frauen an den nationalsozialistischen Verbrechen.

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In meinem Beitrag sollen die herrschaftsgeschichtlichen Fragestellungen und Schlussfolgerungen zunächst einmal zurückgestellt werden, um den gesellschaftsgeschichtlichen Zugang zum Thema Frauenarbeit wieder zu stärken. Es soll um Entscheidungen und Programme der NS-Führung, aber vor allem um deren Umsetzung gehen. Es gilt, sowohl die statistischen Entwicklungen und Strukturen von Frauenarbeit einzubeziehen als auch punktuell Einzelbeispiele zu untersuchen. Welche Vorstellungen über weibliche Erwerbstätigkeit existierten im Dritten Reich? Welche Instrumente gab es, um das Erwerbsverhalten von Frauen zu steuern? Wie und warum veränderten sich Arbeitsbedingungen und Berufsfelder? Welche Rolle spielte die Berufsausbildung? Trug die Politik der NS-Führung zur Stärkung des Nur-Hausfrauenmodells bei? Diese Fragen sollen in vier Schritten behandelt werden, wobei erstens die Entwicklung von Berufsfeldern beleuchtet wird. Zweitens gilt es, die Merkmale weiblicher Erwerbsarbeit und die Sonderstellung der Frau im Arbeitsleben herauszuarbeiten. Drittens geht es um die Professionalisierung und Entprivatisierung der Haus- und Familienarbeit. Schließlich wird sich das letzte Kapitel mit den teils ambivalenten Wirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Frauenarbeit beschäftigen und dabei das für die Kriegsgesellschaft charakteristische Feld der unbezahlten ehrenamtlichen Tätigkeiten beleuchten.

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Erwerbstätigkeit von Frauen: Leitbilder, Berufsfelder und Restriktionen

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Auf die Frage, ob Frauen erwerbstätig sein sollten, gaben verschiedene Vertreter der NSDAP unterschiedliche Antworten. Häufig wird in der Forschung die Rede, die Adolf Hitler am 8. September im Rahmen des Reichsparteitages in Nürnberg vor der NS-Frauenschaft hielt, herangezogen, um die Vorstellungen über die Rolle der Frau im Nationalsozialismus nachzuzeichnen. Hitler wies in seiner Ansprache beiden Geschlechtern unterschiedliche, sich ergänzende Aufgabenbereiche zu. Während der Mann sein Tun in den Dienst des Staates und der Gemeinschaft stellen sollte, sah er die Frauen auf ihre Familie, ihre Kinder und das Haus verpflichtet. Eine klare Linie zur Frauenerwerbstätigkeit lässt sich aus dem Gesprochenen nicht ableiten. Er lehnte die Frauenemanzipation, die er als jüdische Idee bezeichnete, ab, sprach jedoch von einer „nationalsozialistischen Frauenbewegung“, deren Leistungen er lobte. 8 Nicht nur Hausfrauen und Mütter konnten sich anerkannt fühlen, sondern zumindest auch diejenige, die in NS-Organisationen aktiv waren. Bei anderen Anlässen richtete er sich auch an weibliche Erwerbstätige, etwa, wenn er im Wahlkampf 1932 Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit von Männern und Frauen anprangerte, oder aber am 1. Mai 1933. 9

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Die Verdrängung von Frauen aus dem Erwerbsleben war weder ein zentrales noch dauerhaftes Ziel nationalsozialistischer Arbeitsmarktpolitik. Zwar gab es Maßnahmen wie das Ehestandsdarlehen oder die Doppelverdienerkampagne, die dies nahelegen. Doch bei näherem Hinschauen zeigt sich, dass diese sozialpolitische Finanzleistung noch in ganz andere Richtungen zielte. Detlev Humann hat sich diesem Thema jüngst im Rahmen seiner Studie zur Arbeitsbeschaffung in den 1930er Jahren angenommen. Bis 1937, also in der Zeit, als diese an ein striktes Beschäftigungsverbot gekoppelt waren, wurden 532 000 Ehestandsdarlehen vergeben, was bedeutet, dass immerhin etwa eine halbe Million Frauen ihre Erwerbsarbeit niedergelegt hatten. 10 Allerdings ist zu berücksichtigen, dass einige Empfängerinnen von Ehestandsdarlehen weiterbeschäftigt waren. Der Weg in die Selbstständigkeit stand ihnen ohnehin offen, und ehemalige Arbeitgeber griffen gerne als Aushilfen auf sie zurück. 11 Humann argumentiert überdies, dass wichtige Motivationen für die Einführung dieser Maßnahme konsumpolitische Erwägungen waren, denn junge Ehepaare kauften sich von dem Darlehen Hausrat, ebenso spielten demographische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle, was vor allem in den Rückzahlmodalitäten deutlich wird. Pro Kind waren ein Viertel des Darlehens abgeglichen. Als die Wirtschaft Mitte der 1930er Jahre Arbeitskräfte brauchte und sich damit die Modalitäten für das Ehestandsdarlehen änderten, rückte der Kampf gegen weibliche Erwerbstätigkeit vollends in den Hintergrund. Freilich zeigte sich dadurch aber, dass Frauen als Verschiebemasse am Arbeitsmarkt behandelt wurden.

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Lohnarbeit diente als Grundlage der Erfassung in NS-Organisationen. Als Leiterin des Frauenamtes der Deutschen Arbeitsfront hatte die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink auch als die Vertreterin der erwerbstätigen „Volksgenossinnen“ zu handeln. Das Frauenamt hatte nicht nur ein Auge auf die Einhaltung von Sondervorschriften für die Anstellung von Frauen. Ein wichtiges Thema waren zudem Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen, gegen die es bei den Treuhändern der Arbeit vorzugehen versuchte. 12

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Auch in der Darstellung nach außen integrierten die NS-Frauenorganisationen die erwerbstätigen „Volksgenossinnen“. Eine Ausstellung über die Frauenarbeit im Dritten Reich, die erstmals im Rahmen des Reichsparteitags von 1937 in der Nürnberger Landesgewerbeanstalt gezeigt wurde, beschäftigte sich in einem von sechs Räumen mit der Frauenerwerbsarbeit und dem Frauenamt der DAF. Zum einen lag ein Schwerpunkt auf den Sonderbestimmungen „zum Schutz und der Erhaltung mütterlicher Kräfte“, zum anderen veranschaulichte die Ausstellung, wie sich Frauen auf verschiedene Erwerbszweige verteilten. 13 Erwerbstätige Frauen waren ebenso wie Hausfrauen eine Zielgruppe von NSF bzw. DFW.

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Erwerbstätige Frauen fühlten sich vom Nationalsozialismus angesprochen, und der Arbeitsplatz war oft ein Ort, an dem sie mit nationalsozialistischen Vertretern und deren Ideen in Berührung kamen. Beispiele hierfür finden sich in einer Sammlung von Lebensberichten, die der Politikwissenschaftler Theodore Abel für sein Buch „Why Hitler came into power“ durch ein Preisausschreiben erhalten hatte. Er forderte NSDAP-Mitglieder beiden Geschlechts und jedes Alters auf teilzunehmen. 680 Männer, aber nur 48 Frauen folgten diesem Aufruf. Abel kooperierte für seine Erhebung mit Staats- und Parteistellen, was die Auswahl der Schreiber  beeinflusste.  14 Während die Frauen von Begeisterung und Engagement für den Nationalsozialismus berichteten, erfährt man fast beiläufig Einzelheiten ihres beruflichen Werdegangs. Gertrud M. hatte eine Lehre als kaufmännische Angestellte absolviert und musste nach der Scheidung von ihrem Mann ins Berufsleben zurückkehren, um sich und ihren Sohn zu ernähren. Sie arbeitete in einem Berliner Amtsgericht, wo sie nach ihrem Eintritt in die NSDAP jedoch entlassen wurde. Zunächst „erwerbslos, eingereiht ins Millionenheer“ fand sie  nach der Machtübernahme 1933 wieder eine Anstellung im Büro.  15

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Der ausgeübte Beruf bestimmte die Selbstbeschreibung dieser Frauen wesentlich. In vielen Fällen war der Arbeitsplatz ein Ort, an dem sie mit dem Nationalsozialismus in Berührung gekommen waren oder sich entschieden als Nationalsozialistin zu erkennen gegeben hatten. Die Berlinerin war eine von vielen alleinstehenden Frauen, die auf Erwerbsarbeit angewiesen waren. Ihnen fehlte nicht nur ein männlicher Ernährer, vielmehr waren sie häufig für Angehörige wie Kinder, aber auch Elternteile verantwortlich.  Schon Tim Mason hat auf die gestiegene Zahl alleinstehender Frauen nach dem Ersten Weltkrieg hingewiesen, die verwitwet, geschieden oder nie verheiratet einen wichtigen Teil des Zuwachses an erwerbstätigen Frauen in den 1920er Jahren ausmachten. 16 Mit Blick auf ihre ökonomische Situation war der frühe Beitritt von Gertrud M. in die NSDAP hingegen ungewöhnlich, denn viele Alleinverdienerinnen konnten es nicht riskieren, ihre Arbeit zu verlieren und sahen daher von einer Parteimitgliedschaft ab. 17

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Keine der Erwerbstätigen in Abels Sample von Berichten weiblicher NSDAP-Mitglieder musste 1933 fürchten, ihre Arbeitsstelle aufgeben zu müssen. Die NS-Führung zielte mit ihren beruflichen Beschränkungen vor allem auf Akademikerinnen im Staatsdienst. Im August 1936 wies Hitler an, Frauen nicht mehr als Richterinnen, Staats- und Rechtsanwältinnen zuzulassen (eine solche Laufbahn war für Juristinnen ohnehin erst seit 1922 möglich). Zwar konnten sie weiterhin am Vorbereitungsdienst teilnehmen, danach stand ihnen aber nur noch der Weg in die Verwaltung offen. Erst während des Krieges sollten diese Beschränkungen teilweise aufgehoben werden, um die Personalengpässe zu beheben, was sich allerdings als schwierig herausstellte, denn angesichts schlechter beruflicher Aussichten fehlte es an weiblichem Nachwuchs. 18 Jennifer Walcoff hat jedoch darauf hingewiesen, dass Juraabsolventinnen nach 1936 verstärkt Karriere in Wohlfahrts- und Arbeitsämtern, vor allem aber auch in NS-Organisationen machten. Eine führende Vertreterin der NS-Frauenschaft, Ilse Eben-Servaes, selbst ausgebildete Juristin und in der Funktion einer Rechtsreferentin tätig, hatte erreicht, dass Gerichtsreferentinnen die Reichsfrauenführung und ihre Gaufrauenschaftsleitungen als Ausbildungsstationen wählen konnten.  19

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1933 schlossen sich zwar einige beruflichen Wege für Frauen, andere wurden jedoch gleichzeitig eröffnet. Wie nah dies beieinander lag, lässt sich für die Bibliothekarinnen rekonstruieren: Seit der nationalsozialistischen Machtübernahme war es für Frauen schwierig, als wissenschaftliche Bibliothekarin im höheren Dienst z.B. in Staats- und Universitätsbibliotheken zu arbeiten. Bibliotheksdirektoren übergingen Bewerberinnen bei der Vergabe von Volontariaten, die Ausbildungszahlen sanken im Vergleich zu den Männern. 20 Frauen wurden aber nicht aus dem Bibliothekswesen verdrängt, vielmehr stieg die Zahl der Volksbibliothekarinnen erheblich. Zum einen wurde dieser Zweig im Nationalsozialismus ausgebaut, zum anderen unterstellte man den Frauen (bereits zu Zeiten der Weimarer Republik) eine besondere Eignung für die Arbeit in einer Volksbibliothek. 21

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Nicht immer zeigten die nationalsozialistischen Lenkungsversuche Erfolg, wie sich am Beispiel der Hausgehilfinnen zeigen lässt. Seit der Jahrhundertwende verzeichnete diese traditionell von Frauen ausgeführte Tätigkeit eine sinkende Zahl von Berufsanfängerinnen. Der Beruf der Hausgehilfin erfuhr propagandistisch zwar eine enorme Aufwertung im Dritten Reich, denn er galt nicht nur als Ideal für Frauen, sondern auch als besonders wichtig, um Familien mit Landwirtschaft und solche mit großer Kinderschar zu unterstützen. Für Mädchen, die ins Arbeitsleben einstiegen, war er aber nicht attraktiv. Zu den bestehenden Problemen der Hierarchie zu den Arbeitsgebern, der geringen Bezahlung sowie mangelnder Privatsphäre kam hinzu, dass die NS-Regierung die Hausgehilfinnen 1933 in der Sozialversicherung sehr schlecht gestellt hatte. Die Bemühungen der Berufsberatungsstellen, Interessentinnen zu werben, konnten daran wenig ändern. Schließlich sollten Dienstverpflichtungen und später die Rekrutierung von Zwangsarbeiterinnen den nach wie vor bestehenden Bedarf decken.

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Die Vorstellung von der Komplementarität der Geschlechter, die im Nationalsozialismus vorherrschte, sicherte und eröffnete Frauen Arbeitsfelder, bisweilen sogar Karrierewege. Auch die nationalsozialistische Verfolgungspolitik förderte die Nachfrage nach weiblichem Personal, was sich beispielsweise in der Etablierung der weiblichen Kriminalpolizei niederschlug. Die Anfänge dieser Formation lagen noch in der Weimarer Republik. Vertreterinnen aus den Reihen der Frauenbewegung hatten dieses Reformprojekt initiiert, unter anderen Vorzeichen und mit anderen Zielsetzungen wurde es im Nationalsozialismus fortgeführt. 1933 stand die Zukunft der weiblichen Polizei zwar kurzzeitig zur Debatte, die Leitung der Weiblichen Kriminalpolizei konnte die Bedeutung ihrer Arbeit jedoch unter Beweis stellen. 1937 regelte Heinrich Himmler ihren Fortbestand per Erlass. Darin legte er zudem eine wichtige Basis für die Tätigkeit der Weiblichen Kriminalpolizei, denn diese war von da an immer hinzuzuziehen, wenn Frauen betroffen waren. 22 Das geschlechterdifferente Denken sah Frauen als Expertinnen, wenn es um andere Frauen, aber auch wenn es um Kinder und Jugendliche ging. Als diese Gruppen im Dritten Reich mehr in den Fokus der Polizei rückten, war das relativ junge Berufsfeld der Polizistin gesichert.

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Die Täterinnenforschung hat belegt, dass gute Verdienstmöglichkeiten, die Gewährung von Zulagen und hohes Ansehen SS und Polizei zu attraktiven Arbeitgebern für Frauen machten, vor allem für diejenigen, die keine Berufsausbildung vorweisen konnten (was beispielsweise für die Arbeit als Aufseherin im KZ explizit nicht verlangt war), sich aber dennoch einen sozialen Aufstieg wünschten. 23 Sophie Gode mag solch ein Fall gewesen sein, als sie sich 1940 bei der Weiblichen Kriminalpolizei bewarb und im Oktober desselben Jahres als KZ-Aufseherin in Ravensbrück anfing. Sie verdiente zwar nur wenig mehr als in ihrer vorherigen Anstellung als Packerin, allerdings wurde ihr eine Dienstwohnung gestellt. Vor allem aber konnte die alleinstehende Mutter ihre zwei Töchter während ihrer Dienstzeiten betreuen lassen. 24

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Die Sonderstellung der weiblichen Arbeitskraft

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Erwerbstätigkeit galt im Nationalsozialismus durchaus als frauengemäß. Die NS-Frauenorganisationen propagierten vor allem die Einbindung derjenigen in den Arbeitsmarkt, die keine Kinder hatten. Mutterschaft wurde als höchstes Ziel erachtet, aber eines, das nicht alle Frauen anstrebten, insbesondere auch solche nicht, die höhere Funktionärinnenposten in NSF und DFW innehatten. Doch auch für die, die Kinder hatten, sollte die Berufsausbildung fester Bestandteil ihrer Biographie sein. Erst die beruflich ausgebildete Mutter galt als Garantin für die Erziehung von Kindern zu leistungsbereiten „Volksgenossen“. 25 Anders als für Männer sollte die Erwerbsarbeit von Frauen kein Mittel zur Selbstentfaltung sein, vielmehr sollte sie deren Familien- und Haushaltsrolle flankieren und unterstützen.

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Die Frauenerwerbstätigkeit im Dritten Reich war weniger von Verdrängung als von einer zunehmenden geschlechtsspezifischen Ausrichtung gekennzeichnet. In diese Richtung wirkte auch die Durchsetzung der Berufschulpflicht im Dritten Reich. Flächendeckende Berufsausbildungprogramme in der Industrie hatten die Gewerkschaften bereits zu Beginn der Weimarer Republik gefordert. Doch rechtskonservative Vertreter machten sich diese Idee schnell zueigen. Das 1925 im Umfeld der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie von Carl Arnhold gegründete „Deutsche Institut für technische Arbeitsschulung“ (DINTA) prägte wesentlich den Ausbau industrieller Ausbildungsprogramme. 1933 in die DAF eingegliedert und 1935 in „Amt für Berufserziehung und Betriebsführung“ unbenannt, hatte dieses mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ideale Voraussetzungen für die Realisierung seiner Ziele. 26 Mit der Vorbereitung auf den Krieg nahm der Bedarf an Fachkräften zu. Ausbildungsprogramme versprachen dieses Problem zu lösen und boten überdies ein Instrument, Arbeiter zu erfassen. Spätestens mit dem Reichsschulpflichtgesetz bestand eigentlich Berufsschulpflicht für Absolventen von Volksschulen. Fast alle Jungen traten in Folge dessen in ein Lehrlingsverhältnis ein, nicht aber die Mädchen. Denn obwohl auch die Zahl der Plätze für weibliche Lehrlinge stiegen – von 84.000 1934/35 auf immerhin 357.000 1942/43 – lagen sie weit unter den Zahlen der Jungen. Nur etwa ein Viertel der Mädchen, die eine Ausbildung anstrebten, erhielten die Chance dazu, während fast 90 Prozent der männliche Schulabgänger einen Lehrlingsvertrag unterschrieben. 27 Die Berufsausbildung beförderte die soziale Mobilität männlicher Arbeiter, was zu einem Mangel an ungelernten Arbeitskräften führte. Diese Lücke füllten zunehmend Frauen, die als Personalressource für ungelernte Tätigkeiten ins Blickfeld der Unternehmer rückten. Hierbei handelte es sich also um einen passiven Wandel, d.h. die Bedingungen der Männererwerbsarbeit änderten sich, was sich auf die weibliche Bevölkerung auswirkte.

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Entscheidend für die Schaffung eines weiblichen „Rationalisierungsproletariats“ in den 1930ern war die verstärkte Umstellung der deutschen Industrieproduktion auf tayloristische Arbeitsabläufe, die besonders deutlich mit der Einführung des Fließbands zum Ausdruck kamen. 28 Annemarie Tröger hat herausgearbeitet, wie das Arbeitswissenschaftliche Institut der DAF (AWI) den Einsatz von Frauen für die wachsende Zahl der Arbeitsplätze, die kleinteilige monotone Tätigkeiten verlangten, als zweckmäßig konstruierte. Diese seien für gleichförmige Arbeiten besonders geeignet, nicht nur, weil sie über eine besondere „Monotoniefreudigkeit“ verfügten, vielmehr hätten sie kein Interesse an Erwerbsarbeit, stünden dieser also gleichgültig gegenüber. Studien des AWI belegten, dass Frauen für die als sinnentleert betrachteten Tätigkeiten am Fließband auch deswegen in Frage kamen, weil sie ihre Selbstentfaltung bereits im Bezugskreis Familie und Haushalt fänden. 29 Folgt man Tröger, dann erfolgte durch die Politik im Dritten Reich nicht nur eine folgenschwere Teilung des Arbeitsmarktes in einen qualifiziert-männlichen und einen unqualifiziert-weiblichen, sondern auch eine enge Kopplung weiblicher Erwerbsarbeit an Familienarbeit. 30

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Letztere schlug sich vor allem in der rechtlich definierten Sonderstellung von Frauen im Erwerbsleben nieder, wie festgelegten Maximalarbeitszeiten, dem Nacharbeitsverbot und dem Schutz von Schwangeren, was bereits im Kaiserreich erstmals systematisch geregelt und in der Weimarer Republik ausgebaut worden war. 31 Die NS-Führung schritt auf diesem Weg voran. Im Mai 1942 kodifizierte ein Gesetz den bereits durch die DAF in einzelnen Betriebenen ausgeweiteten Mutterschutz. 32 Die Reglungen im Nationalsozialismus gingen dabei weit über das hinaus, was 1927 gesetzlich geregelt worden war, nicht nur, was die Dauer des Mutterschaftsurlaub, sondern vor allem was die Höhe der Lohnersatzleistungen anbelangte, die sich nun am Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen orientierte. Bäuerinnen, Hausgehilfinnen und mithelfende Familienangehörige blieben jedoch weiterhin von den Leistungen ausgeschlossen. 33 Um die Bedeutung des Mutterschutzes im Nationalsozialismus zu erfassen, muss berücksichtigt werden, dass es mit dem Frauenamt der DAF, das durch Vertrauensfrauen in den Betrieben vertreten war, eine Institution gab, die auf die Umsetzung der Richtlinien achtete und Versuche von Arbeitgebern und Krankenkassen, Leistungen wie Stillgelder (Prämien der Krankenkassen für Frauen, die ihr Kind stillten) oder Wochengelder zu kürzen, anzeigte. 34Ein bestimmender Trend weiblicher Erwerbsarbeit im Dritten Reich war – so lässt sich hier bilanzieren –, dass diese zunehmend als Ergänzung zur Familien- und Hausarbeit gedacht wurde, was Arbeitgeber und Arbeitsverwaltung zunehmend berücksichtigten.

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Entprivatisierte Hausarbeit

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Tim Mason hat in seinem Aufsatz „Women in Germany, Family, Welfare, and Work“ 1976 festgestellt, dass sich die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu beobachtende Verbreitung des Modells der Hausfrauenehe im Nationalsozialismus fortsetzte, wenn nicht gar verstärkte. 35 Mit dem allgemeinen Trend zur Hausfrauenehe stach die Zeit des Nationalsozialismus nicht von der Gesamtentwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert ab. Durchaus neu war jedoch die staatlich forcierte Entprivatisierung der Hausfrau bzw. Haus- und Familienarbeit. Zwar lässt sich in Deutschland, wie Nancy Reagin zeigte, bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine starke Politisierung und Nationalisierung von Hausarbeit nachweisen, d.h. dass Hausarbeit als wichtiger Faktor der Volkswirtschaft erkannt wurde. 36 Das NS-Regime schuf jedoch Strukturen, Hausfrauen nicht nur propagandistisch zu mobilisieren, sondern auch direkt zu erfassen.

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Wichtiges Instrument hierfür waren die NS-Frauenorganisationen, allen voran das Deutsche Frauenwerk. Dieses war aus der Gleichschaltung bestehender nichtjüdischer Frauenvereine und -gruppen hervorgegangen. Viel mehr als bisher führte Haus- und Familienarbeit die Frauen hinaus aus ihren vier Wänden. Zwei Millionen besuchten die Mütterschulen des Deutschen Frauenwerkes, um Kurse in Haushaltsführung und Säuglingspflege zu absolvieren. 37 In jeder Ortsgruppe fanden regelmäßig Vorträge zu Themen der Haushaltsführung und Kindererziehung statt. Im Krieg änderte sich das Programm: Die Frauen kamen zusammen, um gemeinsam Arbeiten zu verrichten, wie z.B. zu so genannten  Näh- und Stopfnachmittage. Viele NS-Frauenschaften unterhielten sogar eigene Nähstuben, in denen sie vor allem Aufträge für die Wehrmacht erfüllten. Hausarbeit fand hier gemeinschaftlich statt, und dies wurde auch herausgestellt. 38

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Darüber hinaus diente die Erfassung der Hausfrauen im DFW deren Einbindung in die Verwirklichung politischer Ziele, was sich besonders am Beispiel der Konsumsteuerung studieren lässt. Studien jener Zeit belegten, dass Hausfrauen etwa zu zwei Dritteln die Einkäufe bestimmten. Es galt, diese Bevölkerungsgruppe zu erreichen, wollte man erreichen, dass mehr deutsche Produkte gekauft, dass weniger Fleisch und dafür mehr Fisch und Gemüse gegessen oder dass Lebensmittelressourcen möglichst vollständig ausgeschöpft wurden. Das DFW war daher ganz selbstverständlich in der „Arbeitsgemeinschaft für Vebrauchslenkung“ unter Leitung der Vierjahresplanbehörde vertreten, die sich seit 1936 monatlich traf, um konsumpolitische Marschrouten festzulegen. 39 Innerhalb der NS-Frauenorganisationen war es die Abteilung Hauswirtschaft/Volkswirtschaft, die für die Durchführung der Verbraucherlenkung zuständig war. Ihr standen nicht nur schriftliche und bildliche Propagandamittel wie Filme, Plakate und Artikel zu Verfügung, sondern auch Einrichtungen wie Lehrküchen und hauswirtschaftliche Beratungsstellen, von denen es Anfang 1942 290 bzw. 380 im gesamten deutschen Reichsgebiet gab. 40 Auch wenn Frauen die Kochkurse des DFW gerne besuchten, ist fraglich, inwieweit die dort ausgegeben Leitlinien bisherige Konsummuster modifizieren konnten, zumal die meisten Familien wenig Ansporn hatten, Sparsamkeit an den Tag zu legen, ging es ihnen doch finanziell meist besser als in den Jahren zuvor. 41 Allerdings verschafften sich staatliche Stellen erstmals einen auf Erhebungen beruhenden Überblick über konsumpolitisches Verhalten von Haushalten. Darüber hinaus entdeckten sie die Hausfrauen als Expertinnen für Produkt- und Preiswesen. Bereits in den Monatsberichten der Abteilung Hauswirtschaft/Volkswirtschaft der Reichsfrauenführung zeigt sich, wie diese die Meinung der Endverbraucher in den Produktionsprozess rückkoppelten, beispielsweise bei den Beratungen für den Wohnungsbau. Als Robert Ley in seiner Funktion als Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau die NS-Frauenorganisationen um ihre Expertise bei der Planungen für Wohnungsbau nach dem Krieg bat, starteten diese Umfragen in ihren Reihen. Dabei ging es um Größen und Ausstattung von Nutzräumen wie Küche, Abstellräumen und Wandschränken. 42 Auch der Reichskommissar für Preisbildung hatte das Expertenpotential der Hausfrauen erkannt, die bei der seit 1936 laufenden Preisüberwachung mitwirken sollten. In Absprache mit Parteistellen wurden Hausfrauen ausgewählt, die Höchstpreislisten erhielten und bei ihren Einkäufen auf Preisverstöße achten und diese melden sollten. 43

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Ein weiterer Baustein zur Entprivatisierung der Hausarbeit war deren Kopplung an ein staatliches Belohnungs- und Gratifikationswesen. Die NS-Frauenorganisationen richteten ihre Zuwendungen, die sie Volksgenossinnen“ zukommen ließen oder verwehrten, immer auch daran aus, wie sie deren Leistungen in Haus und Familie bewerteten. Ein explizites Gratifikationsinstrument für Haus- und Familienarbeit wurde im Dezember 1938 mit dem Ehrenkreuz für deutsche Mütter eingeführt, das erstmals am Muttertag des folgenden Jahres vergeben werden sollte. Ob Gold, Silber oder Bronze, entschied die Anzahl der Kinder. Frauen, die vorgeschlagen waren, wurden von NS-Organisationen und kommunalen Behörden nach rassisch-weltanschaulichen Kriterien begutachtet. Hinzu kam eine Bewertung ihrer Leistungen als Hausfrau und Mutter, was am Zustand ihres Haushaltes und Bildungsstand ihrer Kinder abgelesen wurde. Michelle Mouton hat darauf verwiesen, dass viele der Gutachten, insbesondere solche von Fürsorgerinnen geschriebene, sich an einem bürgerlichen Familienideal orientierten, das viele Arbeiterfamilien mit den Ressourcen, die ihnen zur Verfügung standen, gar nicht erfüllen konnten. 44 Etwa fünf Prozent der Vorgeschlagenen erhielten eine negative Bewertung. Die Auswirkung der Mutterkreuzverleihungen auf das Reproduktionsverhalten von Paaren ist von der Forschung als gering eingeschätzt worden, für die Frage nach der Anerkennung von Hausarbeit außerhalb des Privatbereichs war die Einführung dieses Belohnungsmittels jedoch von großer Bedeutung.

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Eine Art Anerkennung stellten auch die Erholungsaufenthalte dar, die Mütter beantragen konnten. Zuständig hierfür war die Hilfsstelle Mutter und Kind der NSV, die Frauen in Einrichtungen, aber auch zu Verwandten verschickte. Die Genehmigung der Maßnahme erfolgte nach rassischen, eugenischen und sozialen Gesichtspunkten, wobei Parteigenossinnen, die sich vor 1933 für die NSDAP eingesetzt hatten, besonders berücksichtigt werden sollten. 1938 stieg die Zahl der verschickten Frauen auf über 77.000 an, sank danach jedoch  kriegsbedingt wieder. 45 Freilich diente die Erholungsfürsorge nicht nur der Gesundheitsvorsorge, sondern auch der weltanschaulichen Unterweisung, für die der mehrwöchige Aufenthalt in Einrichtungen eine gute Gelegenheit bot. 46 Überdies – das sei hier hervorgehoben – verwies diese Maßnahme auf den Charakter der Familien- und Hausarbeit als kräftezehrende Tätigkeit, von der sich Frauen erholen müssen, um ihre Arbeitskraft zu erhalten. Dieser Gedanke setzte sich auch in der Nachkriegszeit fort und fand im Aufbau des Müttergenesungswerks 1950 Niederschlag. 47

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Ein letzter Aspekt, der die Veränderung der Wahrnehmung von Hausarbeit belegt, ist die Professionalisierung. Angelehnt an Berufsausbildungsprogramme konnten Frauen das Diplom der „Meisterin der Hauswirtschaft“ erwerben. Sie mussten nachweisen, fünf Jahre lang einen Haushalt geführt zu haben, und meldeten sich dann für einen zweijährigen Lehrgang an. Die NS-Frauenorganisationen, die den Lehrplan für die Meisterhausfrauausbildung ausgearbeitet und dem Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung vorgelegt hatten, zeigten selbst großes Interesse an den hauswirtschaftlichen Profis. Die „Meisterhausfrauen“ wurden bevorzugt für  die Arbeit in Beratungsstellen und für Massenverpflegungseinsätze im Krieg herangezogen; für beides waren sie ausgebildet worden. 48

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Effiziente Haushaltsführung war jedoch nicht nur für eine Elite von Hausfrauen gedacht, vielmehr ging es um die Rationalisierung aller Haushalte. Impulse hierfür gingen von der im November 1936 gegründet „Reichsstelle für hauswirtschaftliche Forschungs- und Versuchsarbeit“ aus, die wissenschaftliche Studien sammelte und in Auftrag gab, um Arbeitsabläufe und den Einsatz von Haushaltsgeräten wie Schnellkochtöpfen oder Gasbügeleisen zu verbessern. In Leipzig führte die eigens dafür eingerichtete Versuchsstelle Tests durch, um Fragen wie z.B. der Waschbarkeit von bestimmten Stoffen zu beantworten. Ihre Aufträge erhielt sie von NS-Organisationen, aber auch von Unternehmen. 49 Ähnlich wie das AWI Arbeiter und ihre Tätigkeit studierte, wurden auch die Hausfrauen in den 1930er Jahren zu einem Objekt der Wissenschaft. Das Ziel wirtschaftlicher Autarkie und später die Mobilisierung für den Krieg trieben die Erforschung der Hausarbeit voran, die Teil des umfassenderen Trends der „Verwissenschaftlichung des Sozialen“ war. 50 Methoden wie Umfragen und Berichtsdokumentationen erschlossen und quantifizierten, was Frauen in ihren vier Wänden leisteten. Darüber hinaus stieß die „Reichsstelle für hauswirtschaftliche Forschungs- und Versuchsarbeit“ die Durchführung regelmäßiger und fortlaufender Erhebungen über Lebens-, insbesondere Ernährungsverhältnisse der Bevölkerung an, wobei sie sich vor allem für Arbeiterfamilien in den Städten interessierte. Wissenschaftler produzierten nicht nur Unmengen von Daten, die Planungsbedürfnisse politischer Akteure bedienten, vielmehr veränderten sie auch die Wahrnehmung von Hausarbeit, betonte die wissenschaftliche Auseinandersetzung doch deren gesellschaftlichen Wert.

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Allerdings folgte aus der Anerkennung von Hausfrauen und der Wahrnehmung von Hausarbeit als Leistung weit weniger als manche Nationalsozialisten erwartet hatten. Robert Ley wandte sich nach dem Inkrafttreten des Mutterschutzgesetzes 1942 an Martin Bormann und beklagte, dass sich dieses nur an berufstätige Frauen richte. Er mahnte eine dringende Erweiterung sozialpolitischer Prinzipien an: „Nach nationalsozialistischen Grundsätzen muss sich Sozialpolitik auf alle Volksgenossen erstrecken, ohne Rücksicht ob sie eine selbstständige oder unselbstständige Tätigkeit ausüben oder eine sonst wie für die Volksgemeinschaft wichtige Pflicht erfüllen, wie es bei den meist kinderreichen, im Haushalt, aber nicht berufstätigen Ehefrauen gerade in erster Linie der Fall ist.“ 51 Wäre Ley mit seiner Forderung durchgekommen, hätte dies eine Gleichstellung von Haus- und Familienarbeit mit der Erwerbsarbeit bedeutet. Ein solcher Schritt sollte in Deutschland ansatzweise erst in 1980er Jahren erfolgen, als der bundesdeutsche Gesetzgeber in die Rentenversicherung Kindererziehungszeiten einführte. 52

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Krieg und Frauenarbeit

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Blickt man auf die Zahlen, so änderte sich im Krieg wenig an den Strukturen und Bedingungen der Erwerbsarbeit von deutschen nicht-jüdischen Frauen. Das noch vor Kriegsbeginn ermittelte weibliche Arbeitskräftereservoir – Frauen ohne Kinder unter 14 Jahren und ohne Beschäftigung – von 3,5 Millionen konnte kaum mobilisiert werden. Die Zahl der erwerbstätigen „Volksgenossinnen“ stieg von Mai 1939 bis September 1944 nur von 14,6 auf 14,9 Millionen. Jenseits der Statistiken finden sich jedoch Veränderungen und Entwicklungsprozesse, die ein komplexeres Bild von der Frauenarbeit im Krieg zeichnen und Dynamiken sichtbar machen. Vier Punkte sollen hier angesprochen werden: die praktische Umsetzung der Frauendienstpflicht, die kriegsbedingte Stärkung des Modells der Nur-Hausfrau, die Aktivierung für nichtbezahlte ehrenamtliche Tätigkeiten und die Erfahrung der Kriegsmobilisierung.

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1. Zwar führten die Meldepflichtverordnung vom Januar 1943 und ihre Vorläufer kaum zu einer Steigerung der Gesamtzahl erwerbstätiger Frauen. Sie setzte aber groß angelegte Erfassungsaktionen in Gang, an denen neben der Arbeitsverwaltung auch die Kreisleitungen sowie NS-Frauenschaften beteiligt waren. Bereits 1941 hatte das Reicharbeitsministerium angeordnet, Frauen vorzuladen, die ihre Arbeit mit Kriegsbeginn aufgegeben hatten. Zugleich schuf es einerseits Anreize, eine Arbeit aufzunehmen, indem der Lohn nicht auf den Familienunterhalt angerechnet wurde. Andererseits drohte Frauen, die sich weigerten, eine Arbeitsstelle anzutreten, die Kürzung sozialer Leistungen. 53 Die Erfassungsaktion vom Jahre 1943 griff demgegenüber viel weiter aus, da nun auch Frauen, die noch nie erwerbstätig waren, einbezogen wurden. Bis Kriegsende folgten weitere Versuche, Frauen in den Arbeitsmarkt einzugliedern, beispielsweise wurde ab Januar 1944 geprüft, inwieweit Evakuierte einsatzfähig waren. Immer wieder kamen die Behörden zum ernüchternden Ergebnis, dass selbst diejenigen, die keine Kinder hatten, oft nicht dienstverpflichtet werden konnten, sei es dass sie den Betrieb ihres zum Militärdienst eingezogenen Mannes führten oder eine Nebenerwerbslandwirtschaft hatten, sei es dass sie Angehörige pflegen mussten. Nach Prüfung der Arbeitsverwaltung 1943 konnte nur die Hälfte der erfassten Frauen eingesetzt werden und nur ein Fünftel stand ganztags zur Verfügung. 54 Am politischen Willen, mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu bringen, fehlte es nicht. Auf der Ebene der Umsetzung taten sich jedoch Hindernisse auf.

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In denen von Michael Buddrus edierten Protokollen der mecklenburgischen Gauleitung lässt sich nachzeichnen, dass es das Zusammenspiel vieler Akteure war, das zum nur mäßigen Erfolg der Dienstverpflichtung beitrug. Gauleiter Friedrich Hildebrandt mahnte immer wieder zur Rücksicht gegenüber den Frauen, vor allem den verheirateten mit Kindern und älteren. Die Ausnahmeregelungen der Meldepflichtverordnung legte er sehr weit aus, so dass in seinem Gau Frauen, deren Männer im Tag-Nacht-Schichtdienst arbeiteten, nicht herangezogen wurden. 55 In den Protokollen wird auch die Rolle der Betriebsleiter thematisiert, denen Hildebrandt eine große Mitverantwortung für die Schwierigkeiten beim Einsatz der Frauen zusprach. Die Einarbeitung neuer Arbeitskräfte, von denen einige noch nie zuvor in Fabriken gearbeitet hatten und die zudem aufgrund von Schutzvorschriften nicht voll einsetzbar waren, führte dazu, dass Unternehmen auf die Anstellung von Frauen wenn möglich verzichteten. Halbtagsarbeit lehnten ohnehin viele ab, denn diese machte Umstellungen im Betriebsablauf notwendig. 56 Betriebsleiter bevorzugten letztlich ausländische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, weil sie bei diesen ein rigides Arbeitsregime durchsetzen konnten. Die zögerliche Heranziehung von Frauen hatte also nicht nur etwas damit zu tun, dass diese besonders geschont werden sollten, sondern mit der Ausbeutungslogik im Krieg. Kurzum: Die dienstverpflichtete Frau war in den Augen der Unternehmer nicht sonderlich attraktiv.

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2. Zu den Bewegungen in der Erwerbstätigenstatistik trugen auch diejenigen bei, die ihre Arbeit nach Kriegsbeginn niederlegten. Bis Mai 1941 war es immerhin eine halbe Million Frauen, die meisten davon waren Ehefrauen, deren Männer in die Wehrmacht eingezogen worden waren. Sie erhielten bis zu 85 Prozent des letzten Nettoeinkommens des Ehemannes unabhängig von dessen Sold. 57 Die meisten Familien hatten dadurch ein höheres Einkommen als zuvor. Auch andere Sozialleistungen wirkten in diese Richtung. Ähnliches galt aber auch für die Kriegswitwenversorgung. Besonders deutlich zeigte sich dies bei der so genannten Bräuteversorgung, also der Versorgung von (noch) nicht verheirateten weiblichen Hinterbliebenen. Sie konnten im Zweiten Weltkrieg Ansprüche auf Hinterbliebenenleistungen erheben. 58 Finanziell war einigen von ihnen (wie auch den Familienunterhaltsberechtigten) damit erstmals die Aussicht eröffnet worden, sich für die Niederlegung der Erwerbsarbeit und das Dasein als Hausfrau entscheiden zu können.

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Der letzte bisher wenig beachtete Faktor, der das Modell der Nur-Hausfrau stärkte, war die Evakuierung und Umquartierung aus den luftkriegsbedrohten Städten. Möglichkeiten, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, waren ohnehin sehr begrenzt, denn in den meist agrarisch geprägten Aufnahmegebieten gab es kaum Arbeitsplätze, vor allem kaum solche, die zu den Qualifikationen der evakuierten Frauen aus der Stadt passten. In den Kriegsjahren wurde diese Problematik kaum thematisiert, finanzielle Notlagen der Evakuierten konnte der Räumungsfamilienunterhalt abfedern, den die Aufnahmegemeinden auszahlten. In der Nachkriegszeit sah es anders aus. Jährlich berichtete das Evakuiertenamt der Stadt Nürnberg über Zahl und Lage der so genannten „Außenbürger“. Neben den Alten waren es vor allem alleinstehende Frauen mit minderjährigen Kindern, die in den Aufnahmeorten festsaßen. Die Rückkehr in die Städte hing vom Nachweis eines Vollzeit-Arbeitsplatzes ab, was für Frauen  mit Kindern ausgeschlossen war. Auf dem Land, so ging es aus ihren Briefen an das Evakuiertenamt hervor, hatten sie aber noch nicht einmal die Gelegenheit, eine Nebentätigkeit aufzunehmen, um ihren Lebensunterhalt zumindest teilweise zu erwirtschaften. 59 Evakuierte Frauen wurden auf diese Weise zu Fürsorgeklienten gemacht. In anderen Landesteilen war die Situation ganz ähnlich. 60 Für Frauen, die vorerst nicht wieder in ihre Heimatstädte zurückkehren konnten, führte die Evakuierung auf lange Sicht in strukturelle Arbeitslosigkeit und Armut.

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3. Dass Frauen nicht erwerbstätig waren, bedeutete noch nicht, dass sie sich ausschließlich auf den eigenen Haushalt und die eigene Familie konzentrierten. Der Umfang unbezahlter (außerhäuslicher) Tätigkeiten nahm im Krieg enorm zu. Ob es um die Germanisierungspolitik im Osten, die Betreuung der Evakuierten durch die NSV oder die Tätigkeiten des Roten Kreuzes ging, überall war der Einsatz von Frauen sehr gefragt. Der Bereich der unbezahlten Arbeit wird meist übergangen, wenn es um die Frage geht, inwieweit Frauen in Deutschland – im Vergleich zu anderen kriegführenden Nationen – für die Kriegsarbeit mobilisiert wurden. Freilich war der zeitliche Umfang meist wesentlich geringer als der einer regulären Beschäftigung. Gerade das flexiblere Zeitformat der unbezahlten „ehrenamtlichen“ Arbeit, dürfte auch Frauen, die eine Vollzeiterwerbstätigkeit ablehnten, veranlasst haben, sich zu engagieren. Der Nachweis regelmäßigen ehrenamtlichen Engagements konnte helfen, eine drohende Dienstverpflichtung abzuwenden. 61

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Eine Gesamtbilanz der unbezahlten Tätigkeiten fehlt, wenngleich Partei und NS-Organisationen selbst akribisch festhielten, wie viele Mitglieder wie viele Stunden für bestimmte Tätigkeiten aufwendeten. 62 Der Blick auf die Zahl der Amtsträgerinnen gibt einen gewissen Anhaltspunkt über die Dimensionen unbezahlter Arbeit, wie am Beispiel der NS-Frauenorganisationen und dem Reichsluftschutzbund gezeigt werden soll.

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Bei Kriegsbeginn war eine Million Mitglieder von NS-Frauenschaft und Deutschem Frauenwerk als Funktionärinnen (Ortsgruppenleiterinnen, Kinder- bzw. Jugendgruppenleiterinnen, Abteilungsleiterinnen) aktiviert. 63 98 Prozent der Posten, die in der NSF bzw. im DFW zur Verfügung standen, waren ehrenamtlich. Im Reichsluftschutzbund, einer gemischtgeschlechtlichen Organisation, die jedoch ein wichtiges Instrument für die Erfassung der weiblichen Bevölkerung darstellte, fungierten 1939 280 000 Amtsträgerinnen. Der Anteil der Frauen an den Funktionärsposten lag damit bei 34 Prozent, also relativ hoch. 64

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Dabei machen die Amtsträgerinnenposten des Reichsluftschutzbundes noch nicht einmal das Gros der unbezahlten Arbeit aus. Mit dem Luftschutzgesetz von 1935 waren Frauen wie Männer dazu verpflichtet, Tätigkeiten im Hausluftschutz zu übernehmen. Frauen fungierten als Luftschutzwart, Mitglieder der Hausfeuerwehr oder Laienhelferin. Die Heranziehung zum zivilen Luftschutz erfolgte per polizeilicher Verfügung, 65 es handelte sich im Unterschied zum Engagement in den NS-Organisationen oder im Reichsluftschutzbund nicht um „ehrenamtliche“ Arbeit. Die Tätigkeiten, die sie zu verrichten hatten, reichten von der Wartung der Schutzräume und des Löschgerätes bis zum Löschen der Brände und der Rettung von Menschen. Die Tätigkeit im zivilen Luftschutz zeichnete sich vor allem durch die Übernahme von Verantwortung für andere Menschen aus. Von Frauen, die Dienst als Luftschutzwarte taten, wurden soldatische Eigenschaften wie Gehorsam, Durchhaltebereitschaft und Tapferkeit erwartet. Einige von ihnen, die durch ihren Einsatz aufgefallen waren, erhielten als Anerkennung das Kriegsverdienstkreuz verliehen.

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In der Zunahme und Bedeutung der unbezahlten Tätigkeiten zeigt sich ein Merkmal des Nationalsozialismus. Frauen egal ob erwerbstätig oder nicht, verbrachten ihre Freizeit nach getaner Haus- bzw. Erwerbsarbeit damit weiterzuarbeiten. Diese ständige Betriebsamkeit entsprach zum einen dem in Partei und NS-Organisationen angewandten Prinzip, die Einbindung in den Nationalsozialismus über gemeinsames Handeln und gemeinsame Erlebnisse zu fördern. Im Krieg entwickelte sich Aktivität zum zentralen Distinktionsmerkmal innerhalb der „Volksgemeinschaft. 66

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4. Einige Entwicklungsdynamiken erschließen sich erst, wenn man eine zeitlich längere Perspektive wählt. Die Halbtagsarbeit hatte sich während des Krieges zwar nicht durchgesetzt, erst in der Nachkriegszeit bildete es sich als gängiges Erwerbsmodell für verheiratete Frauen heraus. Die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg währten aber noch nach, zum einen als Bürde, da ein Teil der Frauen der Arbeitsverwaltung eher skeptisch gegenüberstanden, assoziierten diese doch die Dienstverpflichtungen mit ihr. Zum anderen als Lernerfahrung, was sich bemerkbar machte, als die Arbeitsämter in den 1960er Jahren zur gezielten Rekrutierung übergingen und hierfür nach Methoden suchten. 67

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Als Erfahrungsfeld lässt sich die Kriegsmobilisierung auch beschreiben, wenn man alltagsgeschichtlich argumentiert. Im Rahmen des LUSIR-Projektes sind beispielsweise Frauen befragt worden, die während des Krieges in Schreibbüros eingezogen sind, konkret in die der Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn. Hier arbeiteten 1937 unter den kaufmännischen Angestellten nur zwei Prozent Frauen, im Juli 1940 lag der Anteil bei 19 Prozent und im Januar 1945 bei fast 50 Prozent. 68 Einige derjenigen, die dort als Bürogehilfin eine Tätigkeit aufnahmen, hatten vorher keine Ausbildung absolviert. Nun stand ihnen der Weg für eine Lehre offen. Dabei wird deutlich, dass die Frauen die Kriegsarbeit nicht nur als Arbeit, sondern als Beruf begriffen, wozu vor allem die Möglichkeit zur Ausbildung beitrug. Dies führte zu einer stärkeren Identifizierung mit der Tätigkeit, was sich auch im Wunsch nach dauerhafter Beschäftigung – unabhängig vom Familienstatus – ausdrückte. Zwar mussten viele Frauen nach dem Krieg zunächst einmal weichen, mit Ausnahme derer, die eine Ernährerfunktion innehatten. Als dann in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs erneut Frauen in die Betriebe geholt wurden, waren die ehemaligen Kriegsarbeitskräfte jedoch die ersten, die angeworben wurden.

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Fazit

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Die zögerliche Durchsetzung der Melde- und Dienstpflicht der weiblichen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg erklärt sich nur, wenn man Frauenarbeit in ihren unterschiedliche Dimensionen berücksichtigt. Erwerbsarbeit gehörte dazu ebenso wie Familien- bzw. Hausarbeit und auch unbezahlte ehrenamtliche Arbeit. Mütter, die Kinder versorgten, oder Amtsträgerinnen in NS-Organisationen standen im Krieg nicht als Reserve auf Abruf bereit, sie hatten eine Beschäftigung und diese wurde anerkannt. Das Merkmal der NS-„Volksgemeinschaft“ war nicht etwa totaler Ausschluss der Frauen vom oder ihre totale Integration in den Arbeitsmarkt, was als Untersuchungsperspektive vor allem die ältere Forschung umgetrieben hat. Vielmehr war sie dadurch charakterisiert, dass Familien- und Hausarbeit sowie ehrenamtliches Engagement im Fall von Frauen gleichwertige Optionen gesellschaftlicher Integration darstellten. Versorgung von Familie und Haushalt galt als Arbeit und unterlag ähnlich wie die Erwerbsarbeit Basisprozessen wie der Verwissenschaftlichung, Verrechtlichung und Regulierung durch den (Sozial-)Staat. Die Anerkennung der Frauenarbeit in ihren verschiedenen aufeinander bezogenen Dimensionen drückte sich in der zunehmenden Formalisierung der Sonderstellung von Frauen am Arbeitsmarkt, der Durchsetzung des Nur-Hausfrauen-Modells sowie auch der immer stärkeren Professionalisierung und Entprivatisierung der Haus- und Familienarbeit aus. Dabei handelte es sich um Langzeitprozesse, die in den zwölf Jahren des Nationalsozialismus nicht nur fortliefen, sondern die durch eine NS-Gesellschaftspolitik, die u.a. rassisches Bevölkerungswachstum und Geschlechterdifferenz anstrebte, verstärkt wurden.

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  1. Claudia Opitz-Belakhal, Geschlechtergeschichte, Frankfurt a.M./New York 2010, S. 64-66.
  2. Vgl. zur nationalsozialistischen Arbeitsauffassung den Beitrag von Michael Wildt.
  3. Vgl. Elisabeth Zellmer, Töchter der Revolte. Frauenbewegung und Feminismus in den 1970er Jahren in München, München 2011, S. 215 ff.
  4. Thomas Welskopp, Klasse als Befindlichkeit? Vergleichende Arbeitergeschichte vor der kulturhistorischen Herausforderung, in: AfS 38 (1998), S. 301-336, S. 308.
  5. Vgl. v.a. Dörte Winkler, Frauenarbeit im Dritten Reich, Hamburg 1977; Stefan Bajohr, Die Hälfte der Fabrik. Geschichte der Frauenarbeit in Deutschland 1914-1945, Marburg 1979; Carola Sachse, Siemens, der Nationalsozialismus und die moderne Familie. Eine Untersuchung zur sozialen Rationalisierung in Deutschland im 20. Jahrhundert, Hamburg 1990; Rüdiger Hachtmann, Industriearbeiterinnen in der deutschen Kriegswirtschaft 1936-1944/45, in: Geschichte und Gesellschaft 19 (1993), S. 332-365.
  6. Wiebke Liesner, „Hüterinnen der Nation“. Hebammen im Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2006; Helene Albers, Zwischen Hof, Haushalt und Familie: Bäuerinnen in Westfalen-Lippe (1920-1960), Paderborn u.a. 2001; Doris Tillmann, Landfrauen in Schleswig-Holstein 1930 1950: Zeitgeschichte und Alltagsleben, Heide 2006; Mareike Witkowski, In untergeordneter Stellung: Hausgehilfinnen im Nationalsozialismus, in: Nicole Kramer / Armin Nolzen (Hrsg.), Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 28 (2012), S. 155-175.
  7. Jüngst zur Täterinnenforschung: Jutta Mühlenberg, Das SS-Helferinnenkorps. Ausbildung, Einsatz und Entnazifizierung der weiblichen Angehörigen der Waffen-SS 1942-1949, Hamburg 2010. Aber auch Esther Lehnert: Die Beteiligung von Fürsorgerinnen an der Bildung und Umsetzung der Kategorie minderwertig im Nationalsozialismus. Öffentliche Fürsorgerinnen in Berlin und Hamburg im Spannungsfeld von Auslese und Ausmerze, Frankfurt a.M. 2003; Elissa Mailänder-Koslov, Gewalt im Dienstalltag. Die SS-Aufseherinnen des Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek, Hamburg 2009.
  8. Rede Hitlers vor NS-Frauenschaft am 8.9.1934, veröffentlicht in: Völkischer Beobachter Nr 253 vom 10.9.1934, abgedruckt in: Max Domarus, Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen. Teil 1: Triumph. Band 1: 1932-1934. 4. Aufl. Leonberg, 1988. S. 343-464,
  9. Ansprache „Appell an die Nation“ Juli 1932, abgedruckt in: Domarus, Reden, Bd. 1, S. 57-168.  Diese Rede sprach Hitler auf eine Schallplatte, die in Orten abgespielt wurde, an die er nicht persönlich reiste um Wahlwerbung zu machen.
  10. Humann, „Arbeitsschlacht“, S. 121-127.
  11. Ebd., S. 123; Silke Schumann: „Die Frau aus dem Erwerbsleben wieder herausnehmen“. NS-Propaganda und Arbeitsmarktpolitik in Sachsen 1933-1939, Dresden 2000, S. 39. Schumann erwähnt, dass für die Gemeinde Rabenstein in der Nähe von Chemnitz 2 der 11 Empfängerinnen von Ehestandsdarlehen wieder arbeiteten.
  12. Vgl. z.B. Tätigkeitsbericht des Frauenamtes der DAF für Oktober 1936, 12.11.1936, in: Akten der Parteikanzlei, Regest 21799, Bl. 6701-6703.
  13. Monatsbericht der Reichsfrauenführung für Juli bis September 1937, Regest 22556, Akten der Parteikanzlei, Bd. 2.
  14. Theodore Fred Abel, How Hitler came into power? New York 1938, S. 2-5. Geographisch liegt großes Gewicht auf Berlin (30% der Zuschriften).
  15. Bericht „Mein Lebenslauf“ von Gertrud M. geb. 1887, 8.8.1934, Hoover Institution Archives, Theodor Fred Abel Papers.
  16. Mason, Women, S. 135-136.
  17. Zu diesem Zusammenhang vgl. Michael H. Kater, Frauen in der NS-Bewegung, in: VfZ 31 (1983), S. 202-241, S. 209.
  18. Lothar Gruchmann, Justiz im Dritte Reich. 1933-1940. Anpassung und Unterwerfung in de Ära Gürtner, 3 Aufl. München 2001, S. 318-319.
  19. Jennifer E. Walcoff, Von der Staatsbürgerin zur „Volksbürgerin“. Der Disput um die Rechtsstellung der Frau, in: Sybille Steinbacher (Hrsg.), Volksgenossinnen. Frauen in der NS-Volksgemeinschaft, Göttingen 2009, S. 48-68, S. 63-64.
  20. Dagmar Jank, Wissenschaftliche Bibliothekarinnen im Nationalsozialismus, in: Michael Knoche (Hrsg.), Wissenschaftliche Bibliothekare im Nationalsozialismus: Handlungsspielräume, Kontinuitäten Deutungsmuster, Wiesbaden 2001, S. 27-35.
  21. Helga Lüdtke, Mütter ohne Kinder: Volksbibliothekarinnen während der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus, in: Dies. (Hrsg.), Leidenschaft und Bildung: zur Geschichte der Frauenarbeit in Bibliotheken, S. 67-93.
  22. Dirk Götting, Die „Weibliche Kriminalpolizei: ein republikanisches Reformprojekt zwischen Krise und Neuorientierung im Nationalsozialismus, in: Wolfgang Schulte (Hrsg.), Die Polizei im NS-Staat: Beiträge eines internationalen Symposiums, Frankfurt a.M. 2009, S. 481-510.
  23. Mailänder-Koslov, Gewalt, S. 97-100; Mühlenberg, SS-Helferinnenkorps, S. 81-82, 85.
  24. Vgl. dazu Hannah Synycia, „Eine rühmliche Ausnahme“? Die SS-Aufseherin Sophie Gode, in: Eva Schöck-Quinteros u.a. (Hrsg.), „Was verstehen wir Frauen auch von Politik?“ Entnazifizierung ganz normaler Frauen in Bremen (1945-1952), Bremen 2011, S. 299-316, S. 302-303.
  25. Elfriede Eggener, Die organische Eingliederung der Frau in den nationalsozialistischen Staat, Diss. Leipzig 1938, S. 21 ff.
  26. Zum DINTA vgl. Rüdiger Hachtmann, „Die Begründer der amerikanischen Technik sind fast lauter schwäbisch-allemannische Menschen“. Nazi-Deutschland, der Blick auf die USA und die ‚Amerikanisierung’ der industriellen Produktionsstrukturen im ‚Dritten Reich’, in: Inge Marßolek/Alf Lüdtke (Hrsg.), Amerikanisierung: Traum und Albtraum im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1996, S. 37-66, S. 54.
  27. Zur Etablierung des Systems der Berufsausbildung in Deutschland vgl. John Gillingham, The „deproletarization“ of German society. Vocational training in the Third Reich, in: Journal of Social History 19 (1986), S. 423-432, S. 428.
  28. Zur Rationalisierungsstrategie im fordistischen Produktionsregime vgl. Adelheid von Saldern/Rüdiger Hachtmann, „Gesellschaft am Fließband“. Fordistische Produktion und Herrschaftspraxis in Deutschland, in: Zeithistorische Forschungen Online-Ausgabe, 6 (2009), H. 2, 
URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Hachtmann-Saldern-2-2009.
  29. Annemarie Tröger, Die Planung des Rationalisierungsproletariats. Zur Entwicklung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und des weiblichen Arbeitsmarktes im Nationalsozialismus, in: Annette Kuhn/Jörn Rüsen (Hrsg.), Frauen in der Geschichte II. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Beiträge zur Sozialgeschichte der Frauen vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart, Düsseldorf 1984, S. 245-313, S. 266-271.
  30. Michelle Mouton, From Nurturing the Nation to Purifying the Volk: weimar and nazi family policy, 1918–1945, Cambridge 2007, S. 153.
  31. Carola Sachse, Der Hausarbeitstag. Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in Ost und West, 1939-1994, Göttingen, S. 41.
  32. Gesetz über den Schutz der erwerbstätigen Mutter vom 17.5.1942, RGBl. I (1942), S. 321.
  33. Vgl. dazu Gerda Neyer, Die Entwicklung des Mutterschutzes in Deutschland, Österreich und in der Schweiz von 1877-1945, in: Ute Gerhard (Hrsg.), Frauen in der Geschichte des Rechts. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, München 1997, S. 744-758; S. 752.
  34. Vgl. z.B. Tätigkeitsbericht des Frauenamtes der DAF für November 1937, 14.12.1937, in: Akten der Parteikanzlei, Regest 21799, Bl. 6701-6703.
  35. Mason, Women, S. 190.
  36. Nancy R. Reagin, Sweeping the German Nation. Domesticity and National Identity in Germany, 1870-1945, New York 2007, S. 72 ff.
  37. Susanna Dammer, Kinder, Küche, Kriegsarbeit. Die Schulung der Frauen durch die NS-Frauenschaft, in: Frauengruppe Faschismusforschung (Hrsg.), Mutterkreuz und Arbeitsbuch. Zur Geschichte der Frauen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 1981, S. 215-245, hier S. 234-236.
  38. Monatsbericht der Ortsgruppe der NSF und DFW Stockheim, Januar 1943, StA Würzburg, NSDAP 1059.
  39. Joachim Drews, Die Nazi-Bohne. Anbau, Verwendung und Auswirkung der Sojabohne im Deutschen Reich und Südosteuropa (1933-1945), Hannover 2002, S. 58.
  40. Monatsbericht der Reichsfrauenführung für Januar bis März 1942, in: Akten der Parteikanzlei, Regest 21799, Bl. 7448.
  41. Vgl. zu diesem Einwand Jill Stephenson: Propaganda, autarky, and the German housewife, in: David Welch (Hrsg.), Nazi propaganda, Beckenham 1983, S. 117-142, S. 137.
  42. Monatsberichts der Reichsfrauenführung für Juli-September, in: Akten der Partei-Kanzlei Regest 21799, Bl. 7355. Vgl. zum Wohnungsbauprogramm für die Zeit nach dem Krieg: Ulrike Haerendel, Kommunale Wohnungspolitik im Dritten Reich. Siedlungsideologie, Kleinhausbau und „Wohnraumarisierung“ am Beispiel Münchens, München 1999, S. 407-415.
  43. André Steiner, Von der Preisüberwachung zur staatlichen Preispolitik. Verbraucherpreispolitik und ihre Konsequenzen für den Lebensstandard unter dem Nationalsozialismus in der Vorkriegszeit, in: Ders. (Hrsg.), Preispolitik und Lebensstandard. Nationalsozialismus, DDR und Bundesrepublik im Vergleich, Köln 2006, S. 23-76, S. 58.
  44. Mouton, Nation, S. 128.
  45. Vgl. Herwart Vorländer, Darstellung und Dokumentation einer nationalsozialistischen Organisation, Boppard am Rhein 1988, S. 67-68.
  46. Ebd.; Mouton, Nation, S. 189-191. Mouton beschreibt den Alltag in Erholungseinrichtungen und Konflikte, die es um die Frage nach dem Stellenwert weltanschaulicher Ausrichtung gab.
  47. Kim Carpenter, „For mothers only“: Mothers’ convalescent homes and modernizing maternal ideology in 1950s West Germany, in: Journal of Social History 34 (2001), S. 863-893, S. 863.
  48. Monatsbericht für März/April 1936 der Reichsfrauenführung, in: Akten der Partei-Kanzlei Regest 21799, Bl. 6619; Deutsches Frauenschaffen im Kriege. Jahrbuch der Reichsfrauenführung 1941, hg. v.

    der Reichsfrauenführung, Dortmund 1941, S. 49. Manche „Meisterhausfrau“ empfahl sich mit dieser Ausbildung noch in den 1950er Jahren für die Tätigkeit in Verbraucherberatungsstellen vgl. Helga Brennecke, Wandlungen der Verbraucherinformation, in: Erich Egner (Hrsg.), Aspekte des hauswirtschaftlichen Strukturwandels, Berlin 1967, S. 158.

  49. Monatsbericht für November/Dezember 1936 der Reichsfrauenführung, in: Akten der Partei-Kanzlei Regest 21799, Bl. 6722.Vgl. z.B. Hauswirtschaftliche Jahrbücher. Berichte für Hauswirtschaft in Wissenschaft und Praxis, Januar 1939.
  50. Vgl. Lutz Raphael, Die Verwissenschaftlichung des Sozialen als methodische und konzeptionelle Herausforderung einer Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Geschichte und Gesellschaft 22 (1996), S. 165-193, S. 177-180.
  51. Robert Ley an Martin Bormann, 20.8.1942, in: Akten der Parteikanzlei, Regest 26639, Bl. 8248.
  52. Christiane Kuller, Soziale Sicherung von Frauen – ein ungelöstes Strukturproblem im männlichen Wohlfahrtsstaat. Die Bundesrepublik im europäischen Vergleich, in: AfS 47 (2007), S. 199-236, S. 217.
  53. Ludwig Eiber, Frauen in der Kriegsindustrie. Arbeitsbedingungen, Lebensumstände und Protestverhalten, in: Broszat, Martin / Fröhlich, Elke / Grossmann, Anton (Hrsg.), Bayern in der NS-Zeit, Bd. 3: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt: Teil B, München/Wien 1981, S. 569-644, S. 578-579.
  54. Roland Peter, Rüstungspolitik in Baden: Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz in einer Grenzregion im Zweiten Weltkrieg, München 1995, S. 319-322.
  55. Vgl. Sitzung des Reichsverteidigungsausschusses, 22.1.1943, in: Michael Buddrus: Mecklenburg im Zweiten Weltkrieg. Die Tagungen des Gauleiters Friedrich Hildebrandt mit den NS-Führungsgremien des Gaues Mecklenburg 1939-1945. Eine Edition der Sitzungsprotokolle, Bremen 2009, S. 495.
  56. Sitzung des Reichsverteidigungsausschusses, 15.3.1943, in: ebd. S. 637. Vgl. auch Peter, Rüstungspolitik, S. 325.
  57. Kundrus, Kriegerfrauen 285 ff.; Aly, Volksstaat, S. 89.
  58. Erlass des OKW über die Hinterbliebenenversorgung für Bräute von gefallenen oder im Felde verstorbenen Soldaten vom 12. 1. 1942, BA-MA Freiburg, RW 16/87; Meldungen aus dem Reich (Nr. 365), 8. 3. 1943, in : Meldungen aus dem Reich, Bd. 13, S. 4902 – 4923.
  59. Bericht über die Evakuiertenfürsorge des Evakuiertenamtes Nürnbergs, o.D. (ca. 1950), StadtAN C 44 Nr 304; Bericht „Fürsorge für Evakuierte der Stadt Nürnberg im Jahre 1954, StadtAN C 44 Nr. 304.
  60. Schroeder, Gregory, Ties of Urban Heimat: German cities and their wartime Evacuees in the 1950s, in: German Studies Review 27 (2004), S. 307-324.
  61. Gausachbearbeiterin, Abteilung Organisation und Personal, an NSDAP-Gauleitung Mainfranken, Gaupersonalamt, StA Würzburg, NSDAP 1020. Auch Peter, Rüstungspolitik, S. 317-318.
  62. „Zahlen sprechen von unserer Arbeit“, in: Nachrichtendienst der Reichsfrauenführung vom Juli 1941, S. 193 – 195.
  63. Deutsches Frauenschaffen im Kriege. Jahrbuch der Reichsfrauenführung 1941, hrsg. von der Reichsfrauenführung, Dortmund 1941, S. 5.
  64. Vgl. Luftschutz, in: Meyers Lexikon, Bd. 7, Leipzig 1939, S. 764. Vgl. 5 Jahre Reichsluftschutzbund. Der Anteil der Funktionärinnen war von Landesgruppe zu Landesgruppe recht unterschiedlich: Württemberg-Baden 39 %, Schlesien 30 %, Sachsen 22 % und Nordmark 11 %. In Danzig waren 25 % der 2.175 Amtsträger weiblich, vgl. Kurzmitteilung, in: Die Sirene, H. 10, Mai 1939.
  65. Erste DVO zum Luftschutzgesetz vom 4.5.1937, in: RGBl. I (1937), S. 559-561.
  66. Vgl. zur Distinktion Aktivität und Passivität Armin Nolzen: Inklusion, Exklusion und Distinktion im „Massenstaat“: Das Beispiel NSDAP, in: Frank Bajohr / Michael Wildt: Volksgemeinschaft. Neue Perspektiven auf die Gesellschaft des Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 2009, S. 60-77.
  67. Christine von Oertzen, Teilzeitarbeit und die Lust am Zuverdienen. Geschlechterpolitik und gesellschatlicher Wandel in Westdeutschland 1948-1969, Göttingen 1999, S. 35-36, 259-261.
  68. Vgl. dazu und im Folgenden: Margot Schmidt: Krieg der Männer – Chance der Frauen? Der Einzug von Frauen in die Büros von Thyssen AG, in: Lutz Niethammer (Hrsg.): „Die Jahre weiß man nicht, wo man die heute hinsetzen soll“. Faschismuserfahrung im Ruhrgebiet, 2. Aufl., Bonn 1986, S. 133-162.