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Karsten Linne: Von der Arbeitsvermittlung zum „Arbeitseinsatz“: Zum Wandel der Arbeitsverwaltung 1933-1945

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Trotz aller neu geschaffenen Sonderbehörden, Beauftragten und Generalbevollmächtigten, trotz der Deutschen Arbeitsfront sowie anderer Parteidienststellen, trotz solcher Einrichtungen wie dem Reichsarbeitsdienst, dem Landjahr etc., war es eine traditionelle Bürokratie, die maßgeblich für die Verteilung der Arbeitskräfte im Dritten Reich bis zum Kriegsende verantwortlich blieb: die Arbeitsverwaltung; genauer gesagt, die Arbeitsämter und die ihnen übergeordneten Landes- bzw. Gauarbeitsämter. Ihre Vermittlungszahlen – wobei der Begriff „Vermittlung“ im Laufe der Jahre zunehmend als ein Euphemismus bezeichnet werden muss – stiegen von 1933 5,4 Millionen auf die Rekordhöhe von 9,9 Millionen im Jahre 1939 und betrugen selbst 1943 noch 9,5 Millionen. 1

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Am Wandel der Arbeitsverwaltung, an ihrem sich verändernden Agieren, das den ursprünglichen Zweck ihrer Gründung immer mehr in den Hintergrund drängte, lässt sich deutlicher als irgendwo sonst die Flexibilität und Disponibilität zeigen, mit der die Nationalsozialisten den Faktor „Arbeit“ betrachteten, wie sehr sie den Arbeitsbegriff selbst instrumentalisierten. Dabei ist der zu beobachtende Dreiklang „Arbeit – Dienst – Zwang“, der die Entwicklung kennzeichnet, durchaus nicht nur metaphorisch gemeint. Die drei Ausprägungen wurden den jeweils veränderten Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasst. Der angesprochene Wandel der Arbeitsverwaltung vollzog sich auf drei Ebenen, die sich nur schwer voneinander trennen lassen: der organisatorischen und parallel dazu auf der operativen Ebene, beides gesteuert durch neue Gesetze und Verordnungen; flankierend dazu gab es einen Wandel auf der symbolischen Ebene. Bei der Betrachtung kann die Rolle der Arbeitsverwaltung beim Einsatz der ausländischen Zwangsarbeiter, der Kriegsgefangenen, der Juden etc. sowie ihr Engagement in den besetzten Gebieten aus Platzgründen nicht berücksichtigt werden. 2

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Die Arbeitsverwaltung als einheitliche Bürokratie konnte auf keine sehr lange Geschichte zurückblicken. Erste Anfänge von Stellennachweisen gab es zwar bereits seit den 1880er Jahren, aber erst im Zuge des Ersten Weltkriegs, vor allem mit der nach seinem Ende notwendigen Demobilisierung der Soldaten, gewann die Entwicklung an Fahrt. Trotzdem wurde erst 1920 ein Reichsamt für Arbeitsvermittlung gegründet, das Friedrich Syrup leitete. 3

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Das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927 vereinigte dann die bislang kommunalen Arbeitsämter und die zu den Ländern gehörenden Landesämter für Arbeitsvermittlung mit dem Reichsamt für Arbeitsvermittlung zu einer Reichsbehörde, der weiterhin Syrup vorstand. Der primäre Zweck der neu gegründeten Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestand – wie der Name es ja bereits ausdrückte – in der Vermittlung Arbeitsloser, daneben in der Berufsberatung. 4 Die mit der staatlichen Beeinflussung des Arbeitsmarktes zusammenhängenden Verwaltungsaufgaben waren einheitlich auf die Reichsanstalt und die ihr nach geordneten 13 Landesarbeitsämter und 360 Arbeitsämter mit etwa 860 Nebenstellen übertragen worden. Ihre mehrjährigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Arbeitsvermittlung ließ die Reichsanstalt dem NS-Regime prädestiniert dafür erscheinen, die geplanten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durchzuführen. Auch ihre reichseinheitliche Organisation, die sie von anderen Zweigen der inneren Verwaltung unterschied, sowie ihre Präsenz auf lokaler Ebene und ihr relativ großer Personalbestand von im März 1933 1 513 Beamten, 25 000 Angestellten und Arbeitern, sprachen für diese Entscheidung. Aber zunächst schalteten die Nationalsozialisten ihre dort tätigen politischen Gegner aus, entmachteten die Selbstverwaltungsorgane und führten das „Führerprinzip“ ein. Dies stärkte die interne Position des Präsidenten erheblich und schuf einen straffen hierarchischen Verwaltungsaufbau. 5

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Die Reichsanstalt lobte sich anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens 1937 entsprechend selbst: Zwar habe ihre finanzielle Basis 1933 nicht ausgereicht, aber die Struktur gestimmt. „Damit aber war erreicht, daß nach der Machtübernahme eine Einrichtung zur Verfügung stand, die nach Durchführung des Führerprinzips und der Ausmerzung der politisch untragbaren Kräfte für die großen und wichtigen Aufgaben der deutschen Erhebung auf dem Gebiete des Arbeitseinsatzes von einer autoritären Staatsführung eingesetzt werden konnte.“ Aus dem Beauftragten einer „wirtschaftlichen Selbstverwaltung“ sei der „Beauftragte des Staates“ geworden. 6 Und das NS-Regime war offensichtlich – zumindest bis in die erste Phase des Krieges hinein – durchaus zufrieden mit den Leistungen der Arbeitsverwaltung: „Die stärkste Bewährungsprobe für die Richtigkeit dieser Organisationsform hat die Wiedergewinnung der deutschen Gebiete in Polen geliefert, bei der die Arbeitseinsatzverwaltung der kämpfenden Truppe teils zur Seite stand, teils unmittelbar auf dem Fuße folgte und schon nach Tagen ihre Arbeit aufnahm.“ 7

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Dirigistische Eingriffe in den Arbeitsmarkt

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Die Eingriffe des Staates in die Arbeitsmarktpolitik nahmen nach 1933 ebenso zu wie die Reglementierung der Arbeitsverhältnisse. Dies begann bereits in der – hier nur kurz erwähnten – Phase der Arbeitsbeschaffung, z.B. mit der „Anordnung über die Verteilung von Arbeitskräften“ vom 28. August 1934, welche die Arbeitsämter ermächtigte, die altersmäßige Zusammensetzung der in einem Betrieb Beschäftigten zu überprüfen und unter bestimmten Umständen ledige Arbeiter unter 25 Jahren durch erwerbslose Familienväter zu ersetzen. Die 130 000 Jugendlichen, die daraufhin ihren Arbeitsplatz aufgeben mussten, wurden in die Landwirtschaft und den Reichsarbeitsdienst vermittelt. In eine ähnliche Richtung gingen die Zugangssperren für Städte und Gebiete mit hoher Arbeitslosigkeit. 8

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Die Politik der Nationalsozialisten war von Anfang an auf Kriegsvorbereitung ausgerichtet. Sie bezogen daher die Reichsanstalt umgehend in ihre Rüstungsplanungen ein und gestalteten sie in eine kriegswichtige Behörde um. Ab 1934 erhielt die Reichsanstalt die ersten grundsätzlichen Befugnisse zur Arbeitskräftelenkung. Die Grundlage für eine umfassendere staatliche Kontrolle und Beeinflussung des Arbeitsmarktes durch die Reichsanstalt schuf der Gesetzgeber dann in den Jahren 1935 und 1936.

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Seit dem Frühjahr 1934 kam es, noch während offizielle Arbeitslosigkeit in beträchtlicher Höhe bestand, in für die Aufrüstung bedeutsamen Bereichen zu einem Arbeitskräftemangel. Dies galt insbesondere für Facharbeiter im Baugewerbe und in den Metallberufen. In diesem Zusammenhang machten ein Ansatz und ein Begriff Karriere, der durch das „Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes“ vom 15. Mai 1934 in die Rechtssprache eingeführt wurde, der Begriff des „Arbeitseinsatzes“. Die Stoßrichtung wurde aus dem ersten Paragraphen deutlich: „Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung kann für Bezirke mit hoher Arbeitslosigkeit anordnen, daß Personen, die in diesen Bezirken am Tage des Inkrafttretens der Anordnung keinen Wohnort haben, dort als Arbeiter oder Angestellte nur mit seiner vorherigen Zustimmung eingestellt werden dürfen.“ 9 In diesem Gesetz noch auf die „Leutenot“ in der Landwirtschaft und auf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den gesperrten Gebieten bezogen, erwies sich der dirigistische Ansatz als fruchtbar und allgemein verwendbar. Bereits mit einer Verordnung vom 10. August 1934 wurde der Präsident der Reichsanstalt ermächtigt, die „Verteilung von Arbeitskräften“ insbesondere durch ihren „Austausch“ zu regeln. Diese Vorschriften signalisierten einen Prioritätenwandel, sie stehen für den Prozess des Übergangs von der Arbeitsbeschaffungs- zur Arbeitseinsatzpolitik. Die Lenkung der vorhandenen Arbeitskräfte in die strategisch wichtigen Branchen, vor allem in die rüstungsrelevanten Betriebe, stand von jetzt an eindeutig im Mittelpunkt. 10

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Mit der Einführung des Arbeitsbuches im Februar 1935 gab das Regime den Arbeitsämtern ein sehr wirksames Erfassungs-, Lenkungs- und Kontrollinstrument an die Hand. Die ersten Worte des Gesetzes verdeutlichten das primäre Ziel: „Um die zweckentsprechende Verteilung der Arbeitskräfte in der deutschen Wirtschaft zu gewährleisten, wird ein Arbeitsbuch eingeführt.“ Arbeitnehmer durften jetzt nur noch beschäftigt werden, wenn sie im Besitz eines ordnungsmäßig ausgestellten Arbeitsbuches waren. Die Arbeitsämter konnten so vor allem die berufliche Qualifikation und den Werdegang der einzelnen Arbeitnehmer registrieren und ihren Einsatz lenken. 11 Die Arbeitsbücher wurden ab April 1935 ausgegeben; Angestellte und Arbeiter hatten ein solches Buch zu führen und bei ihrem jeweiligen Arbeitgeber zu hinterlegen. Die Eintragungen wurden an die Arbeitsämter weitergegeben und dort auf Karteikarten erfasst. Im Juni 1938 war die Ausgabe von 22 Millionen Arbeitsbüchern abgeschlossen. Die darauf basierenden statistischen Erhebungen vom Sommer 1938, 1940 und 1941 gaben einen detaillierten Überblick über die Verteilung der Arbeitskräfte nach Alter, Geschlecht, Ort und Wirtschaftszweigen. 12 Ein Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung betonte, dass es bis dahin an einem technischen Hilfsmittel gefehlt habe, „das in Form eines dauernden amtlichen Personalausweises für jeden Schaffenden möglichst eingehend seinen Ausbildungsgang, seine besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse erkennen läßt und den Einsatz eines jeden in der Wirtschaft durch laufende Fortschreibung“ verfolge. Diese Hilfsmittel sei mit dem Arbeitsbuch geschaffen worden. Es erleichtere vor allem die „Regelung des Zugangs in Mangelberufe“. 13

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Kritische zeitgenössische Beobachter, wie die Mitglieder der linken Oppositionsgruppe „Neu Beginnen“, bemerkten, dass mit dem Arbeitsbuch „eine Registrierung und damit Disponibilität der deutschen Berufstätigen in einem Umfang erreicht (werde), der in der Welt ohne Beispiel ist“. Sie schlossen aus den in den Arbeitsbüchern zu erfassenden Daten, dass sie der Organisierung des „Totalen Krieges“ dienen sollten. 14 Zu einer ähnlichen Einschätzung kamen auch die Vertrauensleute der SPD, auch sie betrachteten die Arbeitsbücher als „die Stammrolle für den Arbeitseinsatz im kommenden Krieg“ und als wirksames Kontrollinstrument gegenüber dem einzelnen Arbeiter. 15 Über diese Zielsetzung ließ auch eine Besprechung im Landesarbeitsamt Berlin-Brandenburg im März 1935 keinen Zweifel: „Das Arbeitsbuch wird militärischen Zwecken dienstbar gemacht. Damit wird das AA. [Arbeitsamt, K.L.] das „wirtschaftliche Bezirkskommando“. Das Arbeitsbuch dient der wirtschaftlichen und militärischen Mobilmachung. Es wird vor allem darüber Aufschluß geben (durch Geheimzeichen), für welchen Dienst im Ernstfall der Inhaber vorgesehen ist.“ 16

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Die Arbeitsbücher erlangten für die Arbeitseinsatzmaßnahmen der Vierjahresplanphase und vor allem für die Abstimmung des Personalbedarfs der Wehrmacht mit dem der Kriegsindustrie eine derartige Bedeutung, dass Syrup sie 1942 mit den Wehrpässen verglich. Im gleichen Zusammenhang bezeichnete er die Arbeitsämter als „zivile Wehrbezirkskommandos“. Flankiert wurde diese Voraussetzung für einen planmäßigen Arbeitseinsatz durch das am 21. Mai 1935 erlassene, geheim gehaltene „Gesetz über den Deutschen Volksdienst“, das dem Reichsarbeitsminister die Erfassung und den Einsatz aller Reichsangehörigen zwischen dem 15. und 65. Lebensjahr übertrug. Damit avancierten die Arbeitsämter zu den Schaltstellen der Arbeitskräftebewirtschaftung im Rahmen der künftigen Kriegswirtschaft. 17 Zementiert wurde diese Position im November desselben Jahres, als die Reichsanstalt das Monopol für Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung bekam. 18

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Über die Vorbereitungen der Arbeitsverwaltung zur Sicherstellung des Personalbedarfs kriegswichtiger Betriebe und Einrichtungen im Falle einer militärischen Auseinandersetzung drang so gut wie nichts an die Öffentlichkeit. In einem Erlass vom 7. März 1936 verpflichtete Syrup die Dienststellen der Reichsanstalt auf die „völlige Geheimhaltung dieser Maßnahmen“. Dies ging so weit, dass nicht einmal alle Beschäftigten eines Arbeitsamtes Kenntnis von der neuen Aufgabe ihrer Behörde erlangten. 19

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Nach der „Anordnung über die Meldung Schulentlassener“ vom 1. März 1938 mussten sich alle Schulentlassenen obligatorisch beim Arbeitsamt melden. Sie wurden dort einer „Nachwuchslenkung“ und Registrierung unterzogen, um sie in rüstungsbedeutsame Berufe zu drängen und um sie gegebenenfalls sofort für einen zusätzlichen Arbeitseinsatz zu mobilisieren. 20

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Seit dem 22. Juni 1938 war mit der „Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung“ anlässlich des Westwallbaues die Möglichkeit einer vorübergehenden Dienstverpflichtung gegeben und damit eine Zäsur gesetzt: „Deutsche Staatsangehörige können vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung für eine begrenzte Zeit verpflichtet werden, auf einem ihnen zugewiesenen Arbeitsplatz Dienste zu leisten oder sich einer bestimmten beruflichen Ausbildung zu unterziehen.“ 21 Die Vertrauensleute der SPD schilderten die mit dieser Verordnung verbundenen drastischen Eingriffe der Arbeitsbehörden in die Betriebe. Aus Südwestdeutschland berichteten sie im Juli 1938: „Aus sämtlichen Betrieben unseres Bezirkes sind die gelernten Maurer herangezogen und an die Westgrenze transportiert worden. So hat man z.B. aus X. 200 Maurer und Bauhilfsarbeiter zu Befestigungsarbeiten abgeordnet. In Y., einer Stadt mit etwa 15 000 Einwohnern, sind 300 Maurer und Hilfsarbeiter herangezogen worden.“ 22

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Mit der „Notdienstverordnung“ vom Oktober 1938 konnten Arbeiter dann für eine begrenzte Zeit zu „Notdienstleistungen“ herangezogen werden. Die Notdienstpflichtigen wurden aus ihren normalen Arbeitsverhältnissen herausgeholt und waren für die Dauer des Notdienstes zu beurlauben. 23

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Ende 1938 gab es bedeutende organisatorische Änderungen in der Arbeitsverwaltung. Ein Erlass Hitlers vom 21. Dezember 1938 bestimmte, dass die Aufgaben und Befugnisse des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung nun auf den Reichsarbeitsminister übergingen. Syrup wurde zum Staatssekretär ernannt und in das Reichsarbeitsministerium berufen. Die Reichsanstalt, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts formal eine unabhängige Institution geblieben war, wurde nun als Hauptabteilung V in das Reichsarbeitsministerium eingegliedert und damit der Reichsregierung direkt unterstellt. 24

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Mit der Verordnung über den Arbeitseinsatz vom 25. März 1939 erhoben die Nationalsozialisten die Landesarbeitsämter und Arbeitsämter zu Reichsbehörden, die dem Reichsarbeitsminister unterstellt waren. Mit dieser „Verreichlichung“ sei der hoheitliche Charakter der Lenkung des Arbeitseinsatzes auch organisatorisch anerkannt worden. Die bisherige Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung blieb als Körperschaft des öffentlichen Rechts bestehen, erfuhr aber eine komplette Umwidmung und wurde in „Reichsstock für Arbeitseinsatz“ umbenannt. Sie hatte nun das Beitragsaufkommen zu vereinnahmen und es nach Maßgabe ihres Haushaltsplans zu verausgaben. 25

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Die „Notdienstverordnung“ hatte allerdings keinen durchschlagenden Erfolg. Der Beauftragte für den Vierjahresplan ersetzte sie deshalb durch eine verschärfte Verordnung vom 13. Februar 1939. Darin hieß es unmissverständlich: „Die Durchführung unaufschiebbarer Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung darf durch Mangel an Arbeitskräften nicht gefährdet werden. Zur Durchführung solcher Aufgaben muß die Möglichkeit gegeben sein, Bewohner des Reichsgebietes zu Leistungen heranzuziehen und die Bindungen an den Arbeitsplatz fester zu gestalten.“ Für solche Aufgaben konnten die Arbeitsämter nun Arbeiter zur Dienstleistung verpflichten, auch auf unbeschränkte Dauer. Neu war auch eine Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels aus besonderen staatspolitischen Gründen: Den Arbeitsämtern konnte dabei durch den Reichsarbeitsminister ein Zustimmungsrecht vor der Lösung von Arbeitsverhältnissen eingeräumt werden; ebenso konnten Einstellungen an die Zustimmung gebunden werden. Das Arbeitsbuch und die Arbeitsbuchkartei der Arbeitsämter wurden in dieser Zeit zu einem häufig benutzten und wichtigen Instrument des Arbeitseinsatzes. 26

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Bis Ende 1939 sprachen die Arbeitsämter rund 1,3 Millionen Dienstverpflichtungen aus, fast 400 000 davon betrafen den Bau des Westwalls und über 500 000 die Umstellungen in der Industrie zu Kriegsbeginn. Auf rüstungswichtige Arbeitsplätze entfielen etwa 400 000 Dienstverpflichtungen, womit der Bedarf nicht annähernd gedeckt werden konnte. 27 Diese Dienstverpflichtungen führten „zu starken Spannungen im sozialpolitischen Leben, oft auch zu offener Mißstimmung in weiten Bevölkerungskreise. Darüber hinaus kam es bei den Umgruppierungen zu „absoluten Fehldispositionen“ der Arbeitsämter. 28

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Der Begriff „Dienstpflicht“ expandierte gleichwohl und wurde zum Modell für Arbeitsverhältnisse schlechthin. Offiziell wurde Dienst als Pflichterfüllung und Opfergabe für die Volksgemeinschaft glorifiziert, letztendlich diente er als Instrument zur Durchführung staatlicher Zwecke. So schrieb der Arbeitsrechtler Wolfgang Siebert 1942: „Volksgemeinschaft als Grundlage und Mittelpunkt der Arbeit bedeutet zunächst, daß alle Arbeit auf das Wohl des Volkes gerichtet, Dienst in der Volksgemeinschaft sein muß.“ 29

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Auch dem Sicherheitsdienst der SS entging nicht, dass sich mit den Dienstverpflichtungen ein Funktionswandel der Arbeitsverwaltung vollzog. In einem Bericht für das erste Quartal 1939 hieß es dazu:„Die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsämter nimmt unter den derzeitigen Umständen einen gänzlich neuen Charakter an. Sie besteht weitgehend darin, unter straffer Handhabung der Anordnungen zum Arbeitseinsatz einen unerwünschten Arbeitsplatzwechsel zu unterbinden und die Verteilung der vorhandenen Arbeitskräfte nach staatspolitischen Gesichtspunkten zu lenken.“ 30

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Wie es mit der zwangsweisen Dienstverpflichtung in der Praxis aussah, zeigt ein SPD-Bericht vom Februar 1939 aus Bayern: „1. Bericht: Anfang August 1938 erschien auf einem Privatbau ein Beauftragter des Arbeitsamtes, der durch den Polier alle Arbeiter antreten ließ. Dann mußten von diesen 48 Arbeitern alle Älteren und Verheirateten wegtreten. Vom Rest suchte er 12 ledige Arbeiter heraus und teilte ihnen mit, daß sie sich umgehend für die Fahrt nach Ostpreußen fertig machen sollen. Sie würden dort für die Fertigstellung staatlicher Aufträge gebraucht. 2. Bericht: Die von Göring eingeführte allgemeine Dienstpflicht wird rücksichtslos durchgeführt. So wurden z.B. von den rund 300 Angestellten der Nürnberger Lebensversicherungsbank 20 kaufmännisch vorgebildete Angestellte zum Schippen bei den Befestigungen an der Westgrenze herausgezogen.“ 31 Eine weitere Radikalisierung deutet ein Bericht vom Juni 1939 aus Südwestdeutschland an: „Die zwangsweise Zuweisung von Arbeit nimmt immer schärfere Formen an. (…) Vor einigen Wochen fehlten Bauarbeiter. Die Meister verlangten auf dem Arbeitsamt Zuweisung von Arbeitskräften. Das Arbeitsamt wies die Fabrikanten an, die betreffenden Arbeiter zu entlassen und dem Arbeitsamt zur Verfügung zu stellen. Als nun einzelne Arbeiter sich weigerten, die vom Arbeitsamt zugewiesene Arbeit anzunehmen, weil sie auf dem Bau bedeutend weniger verdienen als in der Fabrik, wurde ihnen geantwortet, dann hätten sie an die Westfront zu gehen, da verdienten sie mehr.“ 32

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Die Verordnung vom 13. Februar 1939 wurde – weil dort einzelne Branchen ausgespart waren – am 1. September 1939 wieder aufgehoben und durch die Verordnung über die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels (Arbeitsplatzwechselverordnung) ersetzt. Den Arbeitsämtern wurde darin eine totale Überwachung aller Arbeitsmarktbewegungen übertragen. Die Lösung von Arbeitsverhältnissen war damit ebenso wie die Einstellung in Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse von der Zustimmung des Arbeitsamtes abhängig. 33

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So vorbereitet ging die Arbeitsverwaltung in den Krieg – und auch dort erfüllte sie ihre Aufgaben zur Zufriedenheit des nationalsozialistischen Regimes. Der Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium, Walther Stothfang, konnte im Januar 1941 konstatieren, die Arbeitsverwaltung habe sich als „jederzeit einsatzbereites und schlagkräftiges Instrument zur planmäßigen Regelung des Arbeitseinsatzes“, erwiesen und „in diesem Krieg die Feuerprobe mit Erfolg bestanden“. 34 Trotzdem hatte auch die Arbeitsverwaltung seit Kriegsbeginn mit einem Problem zu kämpfen: der Schwächung ihres Personalbestandes, vor allem in den Arbeitsämtern, durch Einberufungen zur Wehrmacht und Abordnungen in die besetzten Gebiete sowie zu anderen Institutionen. In manchen Bezirken war ein Fünftel bis ein Drittel des Mitarbeiterbestandes nicht mehr verfügbar. Das Oberkommando der Wehrmacht erklärte in der Regel nur die führenden Mitarbeiter für unabkömmlich, nach dem Überfall auf die Sowjetunion nahm auch diese Praxis ab. 35

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Weiterer Umbau der Arbeitsverwaltung

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Am 21. März 1942 erfolgte die Berufung des thüringischen Gauleiters Fritz Sauckel zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (GBA), der in dieser Funktion Göring als Beauftragten für den Vierjahresplan direkt nachgeordnet war. Die Gründe für die Einrichtung einer neuen Sondergewalt lagen im endgültigen Scheitern des „Blitzkriegs“-Konzepts, dem damit verbundenen Übergang zu einer langfristig angelegten Rüstungsproduktion. In dem Erlass hieß es: „Die Sicherstellung der für die gesamte Kriegswirtschaft, besonders für die Rüstung erforderlichen Arbeitskräfte bedingt eine einheitlich ausgerichtete, den Erfordernissen der Kriegswirtschaft entsprechende Steuerung des Einsatzes sämtlicher verfügbaren Arbeitskräfte einschließlich der angeworbenen Ausländer und der Kriegsgefangenen sowie die Mobilisierung aller noch unausgenutzten Arbeitskräfte im Großdeutschen Reich einschließlich des Protektorats sowie im Generalgouvernement und in den besetzten Gebieten.“ 36 Aus dem Reichsarbeitsministerium wurden die Abteilungen III (Lohn) und V (Arbeitseinsatz) ausgegliedert und Sauckel unterstellt, ebenso alle Landes- und Arbeitsämter. 37

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Mit seiner ersten Anordnung vom 6. April 1942 setzte er die Gauleiter zu Bevollmächtigten für den Arbeitseinsatz ein, um Partei und Behördenapparat enger miteinander zu verbinden. 38 Parallel dazu wurde die Freizügigkeit der Arbeitskräfte noch weiter eingeschränkt. Nach einer Verordnung vom 20. Mai 1942, welche die zu Kriegsbeginn erlassene „Arbeitsplatzwechselverordnung“ weiter verschärfte, konnten Arbeitsverhältnisse ausschließlich mit Zustimmung des zuständigen Arbeitsamtes gelöst werden. In den Folgemonaten wurde die staatliche Reglementierung des Arbeitsmarktes weiter abgerundet. 39

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Durch eine Verordnung vom 25. Mai 1942 ermöglichte es Göring dem GBA, von den „Ermächtigungen Gebrauch [zu] machen, die dem Reichsarbeitsminister aufgrund von Gesetzen und Verordnungen zustehen“. Die Ermächtigungen für Sauckel schlossen nicht nur die Erfassung und Beschaffung zusätzlicher Arbeitskräfte ein, sondern auch die zentrale Lenkung des Arbeitseinsatzes aller deutschen und ausländischen Kräfte. Der GBA hatte in diesen Bereichen Weisungsbefugnis gegenüber den beteiligten Zivil- und Wehrmachtsinstanzen. Der arbeitspolitische Einfluss des GBA erstreckte sich auf die Landesarbeitsämter und Arbeitsämter; sie standen nach der Maßgabe des Führererlasses vom 21. März 1942 dem GBA zur Verfügung und waren an seine Weisungen gebunden. 40 In einer Rede im September 1942 skizzierte Sauckel, welche Mitarbeiter er dabei erwartete: „Beamter, Angestellter oder Arbeiter bei einer deutschen Arbeitsbehörde kann in Wirklichkeit nur der sein, der ein vorbehaltloser, überzeugter und bedingungslos gehorsamer Nationalsozialist ist.“ 41

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Schließlich erteilte Hitler am 30. September 1942 Sauckel eine weitgehende arbeitspolitische Vollmacht: Dem GBA wurde die Berechtigung zuerkannt, im Reich einschließlich des Protektorats, im Generalgouvernement und in den besetzten Gebieten eigenständig „alle Maßnahmen zu treffen, die den geordneten Arbeitseinsatz für die deutsche Kriegswirtschaft unter allen Umständen gewährleisten“ sollten. Zu diesem Zweck war Sauckel befugt, ihm unmittelbar unterstellte Beauftragte bei den Dienststellen der Militär- und Zivilverwaltung zu ernennen, die diesen gegenüber weisungsberechtigt waren. 42

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Gegen Ende des Jahres 1942 wurde die Hauptabteilung V des Reichsarbeitsministeriums auf Betreiben Sauckels in die Hauptabteilungen V A (Arbeitseinsatz u.a.) und V B (Arbeits- und Sozialstatistik u.a.) aufgegliedert; mit Wirkung vom 4. März 1943 ging aus der Hauptabteilung V A die Hauptabteilung VI („Europaamt für den Arbeitseinsatz“) und aus der Hauptabteilung V B die neue Hauptabteilung V hervor, deren drei Abteilungen für Arbeitseinsatzunterstützungen, Reichsstock für Arbeitseinsatz, Prüfungsdienst, öffentliche Arbeitsbeschaffung und Arbeits- und Sozialstatistik zuständig waren. Die zuständigen Abteilungen des Reichsarbeitsministeriums wurden Sauckel auch in personeller Hinsicht unterstellt. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz erhielt die Befugnis, die Bezirke der Landesarbeitsämter und der Reichstreuhänder der Arbeit abzugrenzen und beide Institutionen zu vereinigen. 43

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Das Europaamt regelte in fünf (seit März 1944 sechs) Abteilungen neben dem Arbeitseinsatz von Frauen und Jugendlichen, den Belangen des Berufsnachwuchses, des zwischenstaatlichen Arbeitseinsatzes und des Arbeitseinsatzrechts im wesentlichen den Einsatz sämtlicher in der deutschen Kriegswirtschaft tätigen deutschen und ausländischen Zivilarbeitskräfte, Kriegs- und Strafgefangenen unter Einbeziehung des „Arbeitseinsatzes von Juden“. 44 Die Schaffung des Europaamtes begründete Sauckel mit den steigenden Anforderungen auf dem Gebiete des Arbeitseinsatzes, welche „die restlose Mobilisierung aller verfügbaren Arbeitskräfte im deutschen Machtbereich und deren Konzentration auf die wichtigsten Arbeiten der Kriegswirtschaft“ verlangten. 45 Und Sauckel ließ keinen Zweifel über den von ihm eingeschlagenen Weg: „Wo die Freiwilligkeit versagt (nach den Erfahrungen versagt sie überall), tritt die Dienstverpflichtung an ihre Stelle. […] Wir werden die letzten Schlacken unserer Humanitätsduselei ablegen.“ 46

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Die Arbeitsämter meldeten die in ihrem Bezirk fehlenden Arbeitskräfte über die Gauarbeitsämter an das Reichsarbeitsministerium in Berlin. Dieses koordinierte die Meldungen und wies die Anwerbekommissionen in den besetzten Ländern an, zu einem bestimmten Termin eine vorgegebene Zahl von Arbeitskräften zu rekrutieren und in das Reich zu transportieren. Da die Kommissionen und Arbeitseinsatzstäbe der Besatzungsverwaltungen dies nicht allein bewältigen konnten, erhielten sie vor Ort Unterstützung von den zivilen, polizeilichen und militärischen Stellen. Überall in den besetzten Gebieten waren – als eine der ersten Verwaltungsmaßnahmen – Arbeitsämter nach deutschem Muster und unter deutscher Leitung mit Angehörigen der Reichsanstalt errichtet worden. Ende 1943 versahen insgesamt knapp 2 500 Mitarbeiter in den besetzten Ländern ihren Dienst, allein in der Sowjetunion fast 1 000. 47

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Ende Juli 1943 ordnete Sauckel die Errichtung von Gauarbeitsämtern in den Reichsverteidigungsbezirken an, welche die Aufgaben der Landesarbeitsämter und der Reichstreuhänder der Arbeit vereinigen sollten. Damit wurde der „Arbeitseinsatz“ entschieden politisiert, die „bürokratischen Hemmnisse“ mehr und mehr beiseitegeschoben. 48 Die Personalunion trug – so Sauckel – den fachlichen Anforderungen Rechnung und sichere zugleich eine schlagkräftige Mittelinstanz der Arbeitsverwaltung. 49

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Mit dem 1. September 1943 nahmen die Gauarbeitsämter ihren Dienst auf. Für jeden der 42 Reichsgaue der NSDAP war nunmehr ein Gauarbeitsamt vorhanden. Dadurch gab es eine Deckungsgleichheit zwischen dem Aufbau der Partei und der Arbeitsverwaltung. Ziel der Reorganisation war laut einem Ministerialrat des Reichsarbeitsministeriums die politische Stoßkraft und Aktivität der Partei, vor allem die der Gauleiter, für die Arbeitsverwaltung nutzbar zu machen. 50

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Trotz der Einberufungen zur Wehrmacht und des sonstigen personellen Aderlasses, stieg die Zahl der Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung – hauptsächlich bedingt durch die Aufgabenausweitung und die territoriale Expansion – bis Mitte 1944 auf über 80 000 an. Damit hatte sie sich gegenüber Abfang 1933 mehr als verdreifacht. 51

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Der Kampf um die Begriffe

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Die grundlegenden Änderungen zeigten sich auch in der offiziellen Terminologie. Im Sinne einer Militarisierung der Arbeit wurde aus der Arbeitsvermittlung der „Arbeitseinsatz“, die Arbeitsbeschaffung wurde zur „Arbeitsschlacht“, der Arbeiter selbst sollte als „Soldat der Arbeit“ seinen „Dienst“ tun, die Zuweisungskarte des Arbeitsamtes wurde zum „Gestellungsbefehl der Dienstverpflichtung“, der Unternehmer wurde „Führer des Betriebes“ und die Belegschaft seine „Gefolgschaft“. 52 Sehr prägnant hat das Otto Marrenbach, Stabsleiter der Deutschen Arbeitsfront ausgedrückt, der die nationalsozialistische Gemeinschaft betonte, in der jeder seinen Platz habe und deren oberstes Gesetz die Disziplin sei. Jeder einzelne in dieser Gemeinschaft müsse zur höchsten Leistung angespornt werden, wobei der Soldat das Vorbild sei, er verkörpere die geforderten Tugenden in vollendeter Form: „Die Begriffe ,Führer‛ und ,Gefolgschaft‛, wie sie das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit verankert hat, erhalten ihren wahrhaften Sinn dadurch, daß aus dem liberalistischen Begriff ,Arbeitgeber‛ der Offizier der Wirtschaft, aus dem ,Proleten‛ sein Gefolgsmann wurde und beide zusammen den neuen Begriff des ,Soldaten der Arbeit‛ darstellen.“ 53

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Ein ranghoher Mitarbeiter des Reichsarbeitsministeriums ordnete den Begriff Arbeitsvermittlung dem „liberalen Zeitalter“ zu. Erst der autoritäre Staat Adolf Hitlers habe den Weg einschlagen können, bei dem die staatliche Lenkung der Arbeitskraft des einzelnen „Volksgenossen“ dem Wohle der Allgemeinheit diente und „vom einzelnen freudig innerlich bejaht werden konnte“. An die Stelle der beratenden Tätigkeit der Arbeitsverwaltung sei so der Begriff des Arbeitseinsatzes getreten, „der heute nicht bloß Allgemeingut des deutschen Volkes, sondern Grundlage der gesamten inneren Wehrhaftmachung auf dem zivilen Sektor geworden“ sei. 54 Ähnlich argumentierte ein Mitarbeiter der Arbeitsverwaltung. Auch für ihn hatte der „Arbeitseinsatz“ als „planmäßige Lenkung der Arbeitskräfte des Volkes nach den übergeordneten Gesichtspunkten der Staatspolitik“ den Begriff „Arbeitsmarkt“ abgelöst. Der Einsatz der Arbeitskraft könne nicht unbeschränkt der freien Entscheidung des Einzelnen überlassen werden, es sei vielmehr eine planmäßige Lenkung vonnöten, die sich den staatspolitischen Notwendigkeiten, den „übergeordneten Interessen des Gemeinwohls“ zu richten habe. 55

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Im Januar 1942 sah sich der Staatssekretär der Regierung des „Generalgouvernement“ dazu veranlasst, die entsprechenden Stellen zu rügen, da öffentliche Dienststellen immer noch den Ausdruck „Arbeitsmarkt“ verwendeten, selbst in Rechtsvorschriften. Die Bezeichnung „Arbeitsmarkt“ sei aber im nationalsozialistischen Staat durch den Begriff „Arbeitseinsatz“ abgelöst worden. Die Bezeichnung „Arbeitsmarkt“ beruhe auf der „liberalistischen Vorstellung“, dass die Arbeitskraft des schaffenden Menschen eine Ware darstelle, deren Bezahlung sich wie auf einem Markt nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage richte. Der Begriff „Arbeitseinsatz“ dagegen stelle den Gesichtspunkt der staatlichen planvollen Lenkung der Arbeitskräfte nach übergeordneten staatspolitischen Notwendigkeiten in den Vordergrund. Der Ausdruck „Arbeitsmarkt“ sei daher in Zukunft zu vermeiden. 56

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Die Realitäten holten diese symbolische Politik aber immer wieder ein und konterkarierten sie. So berichtete der Sicherheitsdienst der SS bereits Ende 1939, dass die Dienstverpflichtungen zu „einem allmählichen Wandel in der Auffassung von der Wertung des Arbeiters“ geführt hätten. In ihm werde „nicht mehr so sehr der Mensch und Volksgenosse als vielmehr die „Arbeitskraft“ gesehen“, was zur Folge habe, dass auch die Arbeiter selbst die materiellen Arbeitsbedingungen für wichtiger hielten und die „ideellen Gedanken“, wie die „Betriebsgemeinschaft“ demgegenüber in den Hintergrund träten. 57

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Fazit

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Wir haben es also mit einem kompletten Wandel der Arbeitsverwaltung, ihrer völligen Sinnumkehrung im Vergleich von 1933 zum Status bei Kriegsende zu tun. Dabei war der Weg von der Arbeitsvermittlung zum Arbeitseinsatz gepflastert mit dirigistischen Eingriffen in den Arbeitsmarkt. Franz Neumann erschien dieser Umstand gar als prägend für das Gesamtsystem: „Der Nationalsozialismus unterscheidet sich am schärfsten durch die Kontrolle des Arbeitsmarktes von einer demokratischen Gesellschaft. Der Arbeiter besitzt keine Rechte. Die potentielle und aktuelle Macht des Staates über den Arbeitsmarkt ist so umfassend, wie sie nur sein kann.“ 58 Die Arbeitsverwaltung begleitete und unterstützte den Weg von der am Individuum ausgerichteten, vertragsgemäß entlohnten „Arbeit“ hin zum an der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft orientierten „Dienst“. Dieser wurde als „Pflichterfüllung“ und „Opfergabe“ für die Gemeinschaft ideologisch aufgeladen, war aber immer mit einem außerökonomischen „Zwang“ verbunden.

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Die ältere Forschung war geneigt, bei der Analyse des Verwaltungshandelns ein Schwarz-Weiß-Bild zu entwerfen: Auf der einen Seite das „normenstaatliche“ Agieren der traditionellen Bürokratie und auf der anderen Seite das „maßnahmenstaatliche“ der SS- und NSDAP-nahen Verwaltungen und Sonderbehörden. Die neuere Forschung brach diese starre Dichotomie zunehmend auf. Nach ihren Erkenntnissen basierten auch die Sonderverwaltungen durchaus auf den traditionellen Normen der Bürokratie, normen- und maßnahmenstaatliche Komponenten überlappten sich hier. Hingegen passten sich die traditionellen Bürokratien ab 1933 verstärkt an die NS-Dogmen an, verletzten geläufige Verwaltungsnormen und agierten zunehmend per Intervention. 59

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Das, was unbürokratisch oder irrational erschien, die Ämterrivalität und das Hineinregieren von Parteiinstanzen in die Verwaltung, waren für Bürokratien in einer politisierten Umwelt nicht ungewöhnlich. Das häufig konstatierte „Ämterchaos“ der nationalsozialistischen Polykratie machte das Regime nicht handlungsunfähig und seine Verwaltung nicht per se ineffizient. Im Gegenteil, Rivalität und Konkurrenz unter den Teilinstanzen wirkten integrierend und mobilisierten Leistungsreserven. Dies galt auch für die sich wandelnde Arbeitsverwaltung, die sich sowohl organisatorisch, vor allem aber inhaltlich immer stärker von ihren Ursprüngen entfernte. 60

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  1. Vgl. Dieter G. Maier, Anfänge und Brüche der Arbeitsverwaltung bis 1952. Zugleich ein kaum bekanntes Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte, Brühl 2004, S. 100.
  2. Vgl. dazu nach wie vor: Ulrich Herbert, Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Berlin 1985; ders. (Hrsg.), Europa und der „Reichseinsatz“. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge in Deutschland 1938–1945, Essen 1991. Neuerdings auch: Karsten Linne/Florian Dierl (Hrsg.), Arbeitskräfte als Kriegsbeute: Der Fall Ost- und Südosteuropas 1939–1945, Berlin 2011; Tilman Plath, Zwischen Schonung und Menschenjagden. Die Arbeitseinsatzpolitik in den baltischen Generalbezirken des Reichskommissariats Ostland 1941–1944, Essen 2012; Florian Dierl/Zoran Janjetović/Karsten Linne, Pflicht, Zwang und Gewalt. Arbeitsverwaltungen und Arbeitskräftepolitik im deutsch besetzten Polen und Serbien 1939–1944, Essen 2013. Zur Rolle der Arbeitsverwaltung bei Verfolgung und Zwangsarbeit der Juden vgl.: Dieter Maier, Arbeitseinsatz und Deportation. Die Mitwirkung der Arbeitsverwaltung bei der nationalsozialistischen Judenverfolgung in den Jahren 1938–1945, Berlin 1994.
  3. Vgl. zu Syrups Biographie: Dieter Maier, Arbeitseinsatz und Deportation. Die Mitwirkung der Arbeitsverwaltung bei der nationalsozialistischen Judenverfolgung in den Jahren 1938–1945, Berlin 1994, S. 64. Zum Gesamtkontext: ders., Anfänge, S. 18ff.
  4. Vgl. ebd., S. 60ff.; Eckart Reidegeld, Staatliche Sozialpolitik in Deutschland. Band II: Sozialpolitik in Demokratie und Diktatur 1919–1945, Wiesbaden 2006, S. 218ff. Zur Lenkungsfunktion der Arbeitsverwaltung bei der Berufsberatung und der Berufsausbildung vgl. David Meskill, Optimizing the German Workforce. Labor Administration from Bismarck to the Economic Miracle, New York/Oxford 2010, S. 141ff.
  5. Vgl. Hans-Walter Schmuhl, Arbeitsmarktpolitik und Arbeitsverwaltung in Deutschland 1871–2002. Zwischen Fürsorge, Hoheit und Markt, Nürnberg 2003, S. 223ff.; Heribert Rottenecker/Jürgen Schneider, Geschichte der Arbeitsverwaltung in Deutschland, Stuttgart/Berlin/Köln 1996, S. 113f.; Horst Kahrs, Die ordnende Hand der Arbeitsämter. Die deutsche Arbeitsverwaltung 1933 bis 1939, in: Arbeitsmarkt und Sondererlaß. Menschenverwertung, Rassenpolitik und Arbeitsamt, Berlin 1990, S. 9-61, hier S. 9. Vgl. insgesamt zur Geschichte der Reichsanstalt bis 1939: Volker Herrmann, Vom Arbeitsmarkt zum Arbeitseinsatz. Zur Geschichte der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung 1929 bis 1939, Frankfurt a.M. 1993. Speziell zur „Gleichschaltung“ der Behörde: Dan P. Silverman, Nazification oft he German Bureaucracy Reconsidered: A Case Study, in: The Journal of Modern History 60 (1988) 3, S. 496–539.
  6. Vgl. Zehn Jahre Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung 1927–1937, hg. von der Hauptstelle der Reichsanstalt, Berlin 1937, S. 13 (Zitate ebd.). Und auch Reichsarbeitsminister Franz Seldte betonte in einer Rede vom 1. Februar 1940 die zentrale Rolle der Arbeitsverwaltung bei Aufrüstung, Bau des Westwalles und der Reichsautobahnen, die ohne die Arbeitsverwaltung nicht möglich gewesen seien: „Wenn sie nicht schon vorhanden gewesen wäre, so hätte sie nach 1933 unverzüglich geschaffen werden müssen.“ Weiterer Ausbau der Arbeitseinsatzverwaltung, in: Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe 7 (1940) 3–6, Februar/März 1940, S. 33–34, hier S. 34.
  7. Martin Zschucke, Das Reichsarbeitsministerium, Berlin 1940, S. 39. Vgl. dazu: Dierl/Janjetović/Linne, Pflicht, S. 63ff.
  8. Vgl. Reidegeld, S. 411f. Insgesamt zur Arbeitsbeschaffung vgl. Detlev Humann, „Arbeitsschlacht“. Arbeitsbeschaffung und Propaganda in der NS-Zeit 1933–1939, Göttingen 2011 sowie seinen Beitrag in diesem Band.
  9. Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes vom 15. Mai 1934, in: RGBl. I, S. 381.
  10. Vgl. Verordnung über die Verteilung von Arbeitskräften vom 10. August 1934, in: RGBl. I, S. 786; Schmuhl, Arbeitsmarktpolitik, S. 240ff.; Reidegeld, Sozialpolitik, S. 415; Ute Vergin, Die nationalsozialistische Arbeitseinsatzverwaltung und ihre Funktionen beim Fremdarbeiter(innen)einsatz während des Zweiten Weltkriegs, Diss. Osnabrück 2008, S. 77; Dieter G. Maier, Vom Vermittlungsbüro zum „zivilen Wehrbezirkskommando“. Der Umbau der Arbeitsverwaltung zur Arbeitseinsatzbehörde für deutsche und ausländische Arbeitskräfte 1933-1945, in: Linne/Dierl, Arbeitskräfte, S. 17–45, hier S. 23.
  11. Vgl. Gesetz über die Einführung eines Arbeitsbuches vom 26. Februar 1935, in RGBl. I, S. 311 (Zitat ebd.); Reidegeld, Sozialpolitik, S. 417; Vergin, Arbeitseinsatzverwaltung, S. 89ff.
  12. Vgl. Stefanie Werner/Harald Degner/Mark Adamo, Hitlers gläserne Arbeitskräfte. Das Arbeitsbuch als Quelle von Mikrodaten für die historische Arbeitsmarktforschung, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte (2011) 2, S. 175–191, hier S. 176 und S. 181.
  13. Willi Sommer (Hrsg.), Die Praxis des Arbeitsamtes. Eine Gemeinschaftsarbeit von Angehörigen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Berlin 1939, S. 45.
  14. Bericht über die Lage in Deutschland, Nr. 19/20, Januar/Februar 1936 vom 20. März 1936, zit. nach: Bernd Stöver, Berichte über die Lage in Deutschland. Die Lagemeldungen der Gruppe Neu Beginnen aus dem Dritten Reich 1933–1936, Bonn 1996, S. 681 (Zitat ebd.).
  15. Vgl. Bericht Nr. 8 vom August 1936, in: Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade) 1934–1940 (Nachdruck Nördlingen 1980), Dritter Jahrgang 1936, S. 1048 (Zitat ebd.).
  16. Aktennotiz über eine Besprechung im Landesarbeitsamt Berlin-Brandenburg am 21. März 1935, zit. nach: Dieter Maier, Beteiligung der Arbeitsverwaltung am Zwangsarbeitereinsatz 1939–1945 (Dokumentensammlung), Weimar o.J. (2000), unpag.
  17. Vgl. Maier, Anfänge, S. 98f.; Schmuhl, Arbeitsmarktpolitik, S. 243f.; Horst Kahrs, Verstaatlichung der polnischen Arbeitsmigration nach Deutschland in der Zwischenkriegszeit. Menschenschmuggel und Massenabschiebungen als Kehrseite des nationalisierten Arbeitsmarktes, in: Arbeitsmigration und Flucht. Vertreibung und Arbeitskräfteregulierung im Zwischenkriegseuropa, Berlin 1993, S. 130–194, hier S. 156f.; Friedrich Syrup, Die deutsche Arbeitsverwaltung im Kriege, in: Reichsarbeitsblatt V, S. 328–333 (Zitat S. 330).
  18. Vgl. Gesetz über Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung vom 5. November 1935, in: RGBl. I, S. 1281.
  19. Vgl. Herrmann, Arbeitsmarkt, S. 149.
  20. Vgl. Meskill, Optimizing, S. 160ff.; Reidegeld, Sozialpolitik, S. 423.
  21. Vgl. Verordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan zur Sicherstellung des Kräftebedarf für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung vom 22. Juni 1938, in: RGBl. I, S. 652; Reidegeld, Sozialpolitik, S. 429.
  22. Bericht Nr. 7 vom Juli 1938, in: Deutschland-Berichte, Fünfter Jahrgang 1938, S. 681.
  23. Vgl. Dritte Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung (Notdienstverordnung) vom 15. Oktober 1938, in: RGBl. I, S. 1441; Reidegeld, Sozialpolitik, S. 425.
  24. Vgl. Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 21. Dezember 1938, in: RGBl. I, S. 1892; Maier, Arbeitseinsatz, S. 13.
  25. Vgl. Verordnung über den Arbeitseinsatz vom 25. März 1939, in: RGBl. I, S. 575; Zschucke, Reichsarbeitsministerium, S. 39.
  26. Vgl. Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung vom 13. Februar 1939, in: RGBl. I, S. 206; Rottenecker/Schneider, Geschichte, S. 117f.; Reidegeld, Sozialpolitik, S. 426.
  27. Vgl. Michael Schneider, Unterm Hakenkreuz. Arbeiter und Arbeiterbewegung 1933 bis 1939, Bonn 1999, S. 320.
  28. Vgl. Jahreslagebericht 1938 des Sicherheitshauptamtes, zit. nach: Heinz Boberach (Hrsg.), Meldungen aus dem Reich. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1938–1945, Herrsching 1984, Bd. 2, S. 200 (Zitate ebd.). Auch später klagten Arbeiter und Arbeitgeber immer wieder über eine „ungenügende Sorgfalt“ bei den Vermittlungen oder Dienstverpflichtungen durch die Arbeitsämter. Vgl. Bericht zur innenpolitischen Lage (Nr. 12) vom 6. November 1939, zit. nach: ebd., S. 429.
  29. Wolfgang Siebert, Die deutsche Arbeitsverfassung, Hamburg 1942, S. 31; Vergin, Arbeitseinsatzverwaltung, S. 80.
  30. 1. Vierteljahresbericht 1939 des Sicherheitshauptamtes, zit. nach: Boberach, Meldungen, Bd. 2, S. 316f. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen die Vertrauensleute der SPD im Sommer 1939: „An die Stelle des Arbeitsmarktes ist in den letzten Jahren mehr und mehr die staatliche Arbeitslenkung, die Zwangsbewirtschaftung der Arbeitskraft, die Rationierung des Arbeitermangels getreten. Diese staatliche Lenkung erfolgt nach folgenden Gesichtspunkten: 1. jeden kriegswirtschaftlich unerwünschten Wechsel des Arbeitsplatzes auszuschließen; 2. der Kriegsrüstung die notwendigen Arbeitskräfte zuzulenken; 3. möglichst alles verfügbar zu machen, was als Arbeitskraft schon jetzt und im Ernstfall eingesetzt werden kann.“ Bericht Nr. 6 vom Juni 1939, in: Deutschland-Berichte, Sechster Jahrgang 1939, S. 724.
  31. Bericht Nr. 2 vom Februar 1939, in: ebd., S. 158f.
  32. Bericht Nr. 6 vom Juni 1939, in: ebd., S. 729.
  33. Vgl. Verordnung über die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels vom 1. September 1939, in: RGBl. I, S. 1685; Rottenecker/Schneider, Geschichte, S. 117f.; Maier, Vermittlungsbüro, S. 29. In einer Rede am 1. Februar 1940 rechtfertigte Reichsarbeitsminister Franz Seldte diese dirigistischen Eingriffe: „Es bedarf keiner weiteren Ausführung darüber, daß der nationalsozialistische Staat entgegen dem liberalistischen Prinzip ebensowenig wie die Ordnung der Arbeitsbedingungen die Regelung des Arbeitseinsatzes dem freien Spiel der Kräfte und damit außerstaatlichen Machtfaktoren überlassen kann. Beide Gebiete bedürfen der ordnenden Hand des Staates.“ Weiterer Ausbau der Arbeitseinsatzverwaltung, in: Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe 7 (1940) 3–6, Februar/März 1940, S. 33–34, hier S. 34.
  34. Vgl. Walter Stothfang, Der Arbeitseinsatz an der Jahreswende, in: Monatshefte für NS-Sozialpolitik 8 (1941) 1/2 vom Januar 1941, S. 4–6, hier S. 6 (Zitate ebd.).
  35. Vgl. Vergin, Arbeitseinsatzverwaltung, S. 141.
  36. Erlaß des Führers über einen Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz vom 21. März 1942, in: RGBl. I, S. 179. Zur Berufung des GBA vgl.: Dietrich Eichholtz, Die Vorgeschichte des „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ (mit Dokumenten), in: Jahrbuch für Geschichte 9 (1973), S. 339–383; Vergin, Arbeitseinsatzverwaltung, S. 182ff. Zur Person Sauckels vgl.: Steffen Raßloff, Fritz. Sauckel. Hitlers „Muster-Gauleiter“ und „Sklavenhalter“, 3. Aufl. Erfurt 2008.
  37. Vgl. Anordnung zur Durchführung des Erlasses des Führers über einen Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (vom Beauftragten für den Vierjahresplan) vom 27. März 1942, in: RGBl. I, S. 180.
  38. Vgl. Maier, Arbeitseinsatz, S. 13ff.; Kahrs, Hand, S. 31; Walter Naasner, Neue Machtzentren in der deutschen Kriegswirtschaft 1942–1945. Die Wirtschaftsorganisation der SS, das Amt des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz und das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition / Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, Boppard a. Rhein 1994, S. 35f.
  39. Vgl. Verordnung über die Sicherstellung des Gefolgschaftsbestandes vom 20. Mai 1942, in: RGBl. I, S. 340. Zur Abrundung siehe z.B. die 6. Durchführungsverordnung vom 29. September 1942 zur Verordnung über die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels, in: ebd., S. 426.
  40. Vgl. Anordnung Nr. 1 des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz über Bestellung und Aufgaben seiner Bevollmächtigten vom 6. April 1942, in: Bundesarchiv Berlin (künftig: BArch Berlin), R 3901, Nr. 20029, Bl. 17; Naasner, Machtzentren, S. 36f.
  41. Fritz Sauckel, Arbeitseinsatzmänner sind fanatische Nationalsozialisten (Rede anlässlich der Tagung der Arbeitsamtsleiter Großdeutschlands am 12. September 1942 in Weimar), zit. nach: Handbuch für die Dienststellen des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz und die interessierten Reichsstellen im Großdeutschen Reich und in den besetzten Gebieten, Bd. 1, Berlin 1944, S. 221-226, hier S. 221.
  42. Vgl. Erlaß des Führers zur Durchführung des Erlasses über einen Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz vom 30. September 1942, zit. nach: ebd., S. 23 (Zitat ebd.).
  43. Vgl. Zweiter Erlaß des Führers zur Durchführung des Erlasses über einen Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz vom 4. März 1943, zit. nach: ebd., S. 24.
  44. Vgl. Naasner, Machtzentren, S. 48f.
  45. Vgl. Schellbrief des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz an die Obersten Reichsbehörden und sämtliche betroffenen Institutionen vom 22. Dezember 1942, in: BArch Berlin, R 43 II, Nr. 652a, Bl. 28 (Zitat ebd.).
  46. Totaler Arbeitseinsatz für den Sieg. Kernsätze aus einer Rede anläßlich der ersten Tagung der Arbeitseinsatzstäbe (6. Januar 1943, Weimar), zit. nach: Handbuch, S. 227-234, hier S. 233.
  47. Vgl. Maier, Anfänge, S. 118f.
  48. Vgl. Verordnung des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz über die Gauarbeitsämter vom 27. Juli 1943, in: RGBl. I, S. 450.
  49. Vgl. Rundschreiben des GBA an die Leiter der Gauarbeitsämter vom 1. August 1943, in: Archiwum Państwowe w Lublinie, 498, Nr. 675, Bl. 31.
  50. Vgl. Walter Stothfang, Zur Errichtung der Gauarbeitsämter, in: Der Arbeitseinsatz 1943, Nr. 2 vom 22.9.1943, S. 11–12, hier S. 11 (Zitat ebd.).
  51. Vgl. Vergin, Arbeitseinsatzverwaltung, S. 74.
  52. Vgl. Otto Neuloh (Bearb.), Hundert Jahre staatliche Sozialpolitik 1839–1939. Aus dem Nachlaß von Geheimrat Dr. Friedrich Syrup, Stuttgart 1957, S. 403f.
  53. Vgl. Robert Ley, Soldaten der Arbeit, München 1939, darin: Otto Marrenbach, Zu diesem Buch, S. 7–8 (Zitat S. 7).
  54. Vgl. Zschucke, Reichsarbeitsministerium, S. 36f. (Zitate ebd.).
  55. Vgl. Sommer, Praxis S. 35f. (Zitat S. 36).
  56. Vgl. Rundschreiben des Staatssekretärs Bühler vom 5. Januar 1942, in: Archiwum Państwowe w Radomiu, 209, Nr. 793, Bl. 1 (Zitate ebd.).
  57. Vgl. SD-Bericht zur innenpolitischen Lage vom 6. Dezember 1939, in: BArch Berlin, R 58, Nr. 145, Bl. 108–127, hier Bl. 123 (Zitate ebd.).
  58. Franz Neumann, Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933–1944, Frankfurt a.M. 1984 (zuerst New York 1942), S. 395.
  59. Vgl. Wolf Gruner/Armin Nolzen, Editorial, in: Bürokratien, S. 7–15, hier S. 11. Auf die Radikalisierungsprozesse im „Normenstaat“ wurde bereits häufiger hingewiesen. Vgl. bspw.: Frank Bajohr, „Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933–1945, Hamburg 1997, S. 209 und S. 342¸ Jan Erik Schulte, Die Konvergenz von Normen- und Maßnahmenstaat: Das Beispiel SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt, 1925–1945, in: Bürokratien, S. 151-188. Vgl. zum klassischen Modell: Ernst Fraenkel, Der Doppelstaat, Frankfurt a.M. 1974 (zuerst New York 1941).
  60. Vgl. Sven Reichardt/Wolfgang Seibel, Radikalität und Stabilität: Herrschen und Verwalten im Nationalsozialismus, in: dies. (Hrsg.), Der prekäre Staat. Herrschen und Verwalten im Nationalsozialismus, Frankfurt a.M. 2011, S. 7–27, hier S. 9; Rüdiger Hachtmann, Elastisch, dynamisch und von katastrophaler Effizienz – zur Struktur der Neuen Staatlichkeit des Nationalsozialismus, in: ebd., S. 29–73.