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Ja, stimmt. Ähnliche Kritik habe ich inzwischen auch von anderer Seite bekommen. Danke!

Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor.
Erstens ist mir nicht klar, inwieweit die Äußerung rassistisch ist.
Zweitens argumentiert Friedensburg hier sehr interessant. Er bezieht sich offenbar auf die Kapitalintensität, also das Verhältnis von eingesetztem Kapital (Maschinen etc.) zu Arbeit. Wenn Löhne niedrig sind, so kann es betriebswirtschaftlich lohnenswert sein, viel Arbeit und wenig Kapital einzusetzen. Insoweit kann man die Äußerung so interpretieren, dass Friedensburg die geringe maschinelle Ausstattung der jugoslawischen Hütten verteidigt – daher die Formulierung “scheinbare Rückständigkeit”. Ohne den genaueren Kontext zu kennen, würde ich sagen, dass dies gerade nicht eine abwertende (wie man sie im NS so häufig findet), sondern eine neutrale bis wohlwollende Bewertung darstellt.

Sabine Rutar: „Unsere abgebrochene Südostecke…“. Bergarbeiter im nördlichen Jugoslawien 1941–1945

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Jugoslawien 1941: die Montanregionen Mežica (Mieß) und Trbovlje (Trifail)

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Der Ökonom und Bergassessor Ferdinand Friedensburg schrieb im November 1939 im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung:

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„Bei jeder technischen und wirtschaftlichen Beurteilung jugoslawischer Grubenbetriebe muß man sich vor Augen halten, dass das Verhältnis zwischen den Löhnen der beschäftigten Arbeiter und den Preisen der geförderten Mineralien völlig anders ist als etwa in Deutschland […]. Es liegt auf der Hand, dass dadurch völlig andere wirtschaftliche Voraussetzungen für die Anwendung von Maschinen gegeben sind; die scheinbare Rückständigkeit der Betriebe entspricht vielfach durchaus den Erfordernissen des Lohn-Preis-Verhältnisses. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit der meist kräftigen, gesunden und häufig überraschend geweckten Arbeiter ist dabei wesentlich höher als diesem Verhältnis entsprechen würde, wenn auch erheblich geringer als die der deutschen, polnischen und englischen Arbeiter.“1

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Friedensburg konstatierte eine Korrelation zwischen Rohstoffpreisen und Mechanisierung einerseits, niedrigen Löhnen und erbrachter Arbeitsleistung andererseits, flankiert von einer rassistischen Beobachtung, und benannte damit die zentralen Themen hinsichtlich der Arbeitsbeziehungen unter NS-Besatzung in zwei für die deutsche Kriegswirtschaft bedeutsamen, etwa 80 Kilometer voneinander entfernt gelegenen nordjugoslawischen (slowenischen) Bergbaubetrieben. Anhand des Bleierzbergbaus in Mežica (Mieß) in Südkärnten und des Braunkohlebergbaus im Revier Trbovlje (Trifail) in der Untersteiermark werden im Folgenden die Arbeitserfahrungen jugoslawischer Bergarbeiter und die Wirkungen nationalsozialistischer Arbeitseinsatzpolitik kontextualisiert.

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Geoff Eley hat treffend auf das (Miss-)Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie in der Geschichtsschreibung zum Nationalsozialismus verwiesen.2 Durch das Prisma „Arbeit“ soll anhand der südöstlichen Peripherie des großdeutschen Reichs die Bedeutung regionaler Kontexte hervorgehoben werden, die maßgeblich dafür sorgten, dass Arbeitsbeziehungen, Ausbeutung von Ressourcen und nicht zuletzt Widerstand innerhalb eines kleinen Raumes unterschiedliche Formen und Verläufe kannten.3

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Das erste Jugoslawien wies eine denkbar disparate Verfasstheit auf: Auf dem Wege der Industrialisierung befindliche Regionen im Norden waren 1918 mit kleinbäuerlichen, vielerorts noch von feudalen Verhältnissen geprägten Regionen im Süden zusammengefügt worden. Die slowenischen Regionen hatten in Österreich-Ungarn keineswegs zu den wohlhabenderen gehört, in Jugoslawien, mit 21% Beschäftigten in Industrie und Gewerbe, indes durchaus. Der jugoslawische Staatsbildungsprozess bedeutete hier nicht zuletzt in sozialpolitischer Hinsicht einen Rückschritt: Die Bergarbeiter in Mežica und Trbovlje erfuhren durch Währungsumstellung, zögerliche Schaffung und Umsetzung neuer, staatsbildender Gesetze, Inflation und nicht zuletzt durch die Rückständigkeit der südlichen jugoslawischen Regionen eine Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Erschließung neuer Förderstätten überließ die Belgrader Regierung mangels eigener finanzieller und personeller Mittel ausländischen Firmen.

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Jugoslawische Metallerze spielten bei der Versorgung der europäischen Industriestaaten zwischen den beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle, weswegen diese Interesse an der Modernisierung der Fördertechniken hatten. Der südkärntnerische Bleierzbergbau stand seit 1921 unter britischer Führung, der neu gegründeten Central European Mines Ltd. (CEM). Die frühere österreichische Betreibergesellschaft, die Bleiberger Bergwerks-Union (BBU), hatte nach Kriegsende von der jugoslawischen Regierung Entschädigung für den Verlust ihres wirtschaftlich erfolgreichsten Objekts gefordert – es blieb bei einem österreichischen Aktienteil von zwei Fünfteln, den die BBU der CEM übertrug, welche 1924 von jugoslawischer Seite die offizielle Betriebsgenehmigung erhielt.4 In den Folgejahren führte sie zahlreiche Modernisierungen durch, errichtete einen Hochofen, mehrere bleiverarbeitende Betriebe und eine Flotation. Seit 1939 war ein unterirdisches Elektrizitätswerk im Bau, welches die deutschen Besatzer 1943 fertigstellten und in Betrieb nahmen.5

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Dass der Bergbau in Mežica mit den ehemaligen österreichischen Strukturen verwoben blieb, war ein Ergebnis einerseits der Versailler Dispositionen, andererseits der zunehmenden ökonomischen Abhängigkeit Jugoslawiens von Deutschland. Der Anschluss 1938, der Kriegsausbruch und die miserable Ernte 1940, die Jugoslawien zum Import deutscher Agrarprodukte zwang, welche die Deutschen durch Rohstoffe kompensiert wissen wollten, kamen der BBU entgegen. Mittels eines jugoslawischen Staatskommissars gelang es ihr, seit Herbst 1940 die Kontrolle über das Werk zu forcieren. Der britische Protest gegen die faktische Enteignung wurde von den militärischen Ereignissen überrollt.6

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Die Betreibergesellschaft des untersteirischen Kohlenreviers Trbovlje, die Trboveljska Premogokopna Družba (Trifailer Kohlenwerksgesellschaft, TPD), ebenfalls ein ehemals habsburgisches, schon vor dem Ersten Weltkrieg mit französischer Beteiligung geführtes Unternehmen, war das größte Industrieunternehmen der Untersteiermark. Nach dem Ersten Weltkrieg war es den Österreichern auch hier gelungen, obwohl der Firmensitz gleich von Wien nach Ljubljana verlegt wurde, den Bergbau noch jahrelang teilweise zu kontrollieren, ab Mitte der zwanziger Jahre über eine Verlegung der Aktien von Wien nach Paris.7 Das untersteirische Kohlenrevier wurde nicht zuletzt mit Hilfe deutscher Reparationszahlungen modernisiert, etwa durch Maschinenlieferungen der Firmen Brown-Boveri, Krupp, Bleichert, Eisenwerke AG, Topf und Söhne sowie Siemens.8

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Slowenien bzw. das Drau-Banat gehörte zu den wenigen jugoslawischen Regionen, in denen schon vor 1918 eine politisierte Arbeiterschaft existiert hatte. Vor allem im Kohlenrevier Trbovlje entwickelte sich eine sozialistisch orientierte Arbeiterbewegung, welche seit Anfang des 20. Jahrhunderts Einfluss auch auf die Bergarbeiter in Mežica nahm. Das Verhältnis der slowenischen Bergarbeiter zur neuen Belgrader Zentralregierung hatte sich – nicht zuletzt angesichts der ausbleibenden Umsetzung angekündigter Reformen – als permanente soziopolitische Auseinandersetzung gestaltet. 1924 etwa waren in Trbovlje bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen kommunistischer bzw. slowenisch-nationaler Arbeiterschaft und der antikommunistischen, unitaristisch orientierten Organizacija Jugoslavenskih Nacionalista (Organisation Jugoslawischer Nationalisten, ORJUNA) fünf Bergarbeiter zu Tode gekommen, die später als „erste Opfer des Faschismus“ in die sozialistische Heldengeschichtsschreibung eingingen.9

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Zum Zeitpunkt der Zerschlagung Jugoslawiens im April 1941 waren die älteren Bergingenieure und Facharbeiter in beiden Montanregionen noch an der Bergakademie im tschechischen Přibram oder an der Montanistischen Hochschule Leoben ausgebildet worden. Die jüngeren Bergingenieure hatten ihre Ausbildung an der 1919 neu gegründeten Universität in Ljubljana absolviert. Die österreichischen Netzwerke waren durch einen innerjugoslawischen Fachkräfteaustausch ersetzt worden, der sich insbesondere im Kohlenbergbau entwickelte, beispielsweise mit den Montanregionen in Bosnien und Serbien, aber auch zwischen den beiden britisch geführten größten Bleierzbergbauen Mežica und Trepça (Kosovo) sowie dem unter französischer Leitung stehenden Kupfererzbergbau im ostserbischen Bor.

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Die Bergarbeiter in Mežica und in Trbovlje stammten „mit wenigen Ausnahmen alle aus dem Draubanat“, meist aus der jeweiligen näheren Umgebung.10 In den letzten Vorkriegsjahren hatte sich ihre Situation durch die Weltwirtschaftskrise spürbar verschlechtert. Schätzungen gehen für die Jahre 1933/34 von 360 000 bis 500 000 effektiv Arbeitslosen in Jugoslawien aus. Das gewaltige Überangebot an Arbeitskräften hielt das Lohnniveau niedrig; die Bergarbeiterschaft gehörte zu den am schlechtesten bezahlten Arbeiterkategorien. Zwischen 1930 und 1937 betrug der durchschnittliche Verdienst eines jugoslawischen Bergarbeiters gerade noch 38 Prozent des Existenzminimums einer vierköpfigen Familie.11 Er machte etwa ein Sechstel dessen aus, was etwa im Ruhrgebiet gezahlt wurde, die Schichtleistung ein Drittel.12 Der Reallohn sank auch nach dem Ende der Wirtschaftskrise stetig: Er lag im September 1940 nicht nur niedriger als während der Krisenjahre 1932/33, sondern um 20% unterhalb des Standes von 1913/14. 13

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In Trbovlje reagierte die TPD auf die Krise mit einer forcierten Mechanisierung der Arbeitsabläufe. Die Zahl der Arbeiter halbierte sich zwischen 1925 (5 073) und 1934 (2 564) annähernd.14 Für 1934 ist von 1 587 Arbeitslosen die Rede; das soziale Gesamtbild ist elend. Im Juni 1933 war es zu einer großen Protestdemonstration der Bergfrauen gekommen; im Juli 1934 traten die Bergmänner in den Hungerstreik.15 In Mežica war die Situation im Vergleich dazu gut: Die Löhne waren überdurchschnittlich hoch, vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise lagen sie fast 50% über dem Durchschnittslohn eines slowenischen Bergarbeiters, was dazu führte, dass man auch die Krise viel besser bewältigte.16

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Bergbau im Krieg: Arbeit, Gewalt, Überleben

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Nach dem Kriegsausbruch 1939 verschärften sich die Proteste gegen die Preissteigerungen sowie gegen die Unterstützung der Achsenmächte. Die jugoslawische Regierung reagierte mit der Internierung politischer Gegner in Ljubljana.17

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Nach dem Angriff auf Jugoslawien am 6. April 1941 wurde Slowenien zwischen Deutschland, Italien und Ungarn aufgeteilt.18 Die deutsch besetzten slowenischen Gebiete der Untersteiermark und Oberkrains wurden den Reichsgauen Kärnten und Steiermark angegliedert. Die Eingliederung in das Deutsche Reich war für den 1. Oktober 1941 vorgesehen, kam aber nie zustande, nicht zuletzt wegen der wachsenden Widerstandsbewegung. Am 14. April wurden die Gauleiter der beiden österreichischen Nachbarprovinzen, in der Steiermark Siegfried Uiberreither, in Kärnten Franz Kutschera, im November 1941 abgelöst durch Friedrich Rainer, zu Chefs der Zivilverwaltung (CdZ) auch für die neu besetzten slowenischen Gebiete erklärt. Die wirt­schaftlichen Ressourcen wurden in den Dienst der deutschen Kriegswirtschaft gestellt, Arbeit stand im Mittelpunkt der „Heim-ins-Reich“-Vergemeinschaftungsbemühungen.19 Dieser Aspekt war allerdings – wie sich schnell herausstellte, in kontraproduktiver Weise – verwoben mit der Germanisierungspolitik, die die Vertreibung nicht für „eindeutschungsfähig“ befundener Slowenen nach sich zog.20 Insgesamt wurden etwa 80 300 Menschen oder zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus den deutsch besetzten Gebieten Sloweniens deportiert, etwa ein Drittel der ursprünglich geplanten Zahl. War die Mobilität in und zwischen den jugoslawischen Regionen vor dem Weltkrieg nur wenig ausgeprägt gewesen, änderte sich das nun radikal. Bis zu einer halben Million Menschen wurden für eine Arbeitsaufnahme ins Deutsche Reich oder im Land angeworben, zwangsrekrutiert oder als Kriegsgefangene verschleppt.21

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„Rüstungsarbeiter“ und Angehörige „sonstiger lebensnotwendiger Betriebe“, und hierzu gehörten die Bergbaue, sollten allerdings von den Deportationen ausgenommen bleiben.22 Mit Bezug auf die slowenischen Regionen wurde verlautbart, dass „unsere abgebrochene Südostecke“ durch die Angliederung an das Deutsche Reich „der natürlichen gegenseitigen Ergänzung“ des ehemaligen habsburgischen Wirtschaftsraums rückverordnet werde. Gleichzeitig wurden auch die aus jugoslawischen Zeiten rührenden Verbindungen vor allem nach Kroatien, aber auch nach Serbien aufrechtzuerhalten gesucht.23

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In Mežica hatte vier Tage nach Beginn des Angriffes auf Jugoslawien, am 10. April 1941, das Rüstungskommando Graz den Betrieb der Central European Mines Ltd. übernommen. 24 Der Generaldirektor und der Werksdirektor der BBU in Bleiberg, Gustav Heinisch und Emil Tschernig, wurden als Wirtschaftsführer und Bergdirektor in das Südkärntner Werk berufen.25 Beide sahen in dessen Rückführung unter die Ägide der BBU die Wiederherstellung eines Zustands, der nie hätte verändert werden dürfen.26, S. 46.] Sie begannen ihre Arbeit mit Beruhigungsmaßnahmen: Schon Ende April hatten sie mehrere Millionen Dinar aus dem nun zum Unabhängigen Staat Kroatien gehörenden Zagreb, wo die CEM ihren Firmensitz gehabt hatte, nach Mežica transportiert sowie von der Kärntner Gauleitung einen Kredit von 200 000 Reichsmark erwirkt, sodass die seit März auf ihre Löhne wartenden Arbeiter ausbezahlt werden konnten. Im Juni wurden ihre Löhne denjenigen in Bleiberg angeglichen.27 Die etwa 850 Mann starke Belegschaft bestand fast vollständig aus Slowenen: „Es ist erfreulich berichten zu können, daß die Gefolgschaftsmitglieder, Angestellte und Arbeiter, willig mitarbeiteten und daß sich Alle [sic], trotz mancher sprachlicher Schwierigkeiten, voll und ganz für die gedeihliche Entwicklung des Betriebes einsetzten“, vermerkte Tschernig in seinem ersten Jahresbericht.28

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Die untersteirischen Kohlengruben wurden in der im Juni 1941 durch die Gauverwaltung gegründeten Aktiengesellschaft Energieversorgung Südsteiermark zusammengefasst, die Teil der Reichswerke „Hermann Göring“ war.29 Die Betriebe wurden als „durchwegs technisch gut ausgerüstet, jedoch noch sehr ausbaufähig“ charakterisiert; auch hier plante das Oberbergamt Wien eine Anpassung der „auch für jugoslawische Verhältnisse“ niedrigen Löhne. 30 Die Kohlenbergarbeiter und ihre Familien waren laut einer Sonderanweisung Himmlers vom 18. April 1941 von den Deportationen auszunehmen.31 Man stellte sich vor, die Bergarbeiter durch physische Einsperrung unter Kontrolle halten zu können: „Diese Gebiete sind gewissermaßen wie ein großes Konzentrationslager zu betrachten, das unter eine gewisse Bewachung gestellt werden muss.“32

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Die jeweilige soziopolitische Verfasstheit der lokalen Gesellschaften in Mežica und Trbovlje führte zu auf zweierlei Weise wirkenden Gewaltpraktiken, wofür insbesondere unterschiedlich gelagerte Loyalitätsmuster in den beiden durch den Bergbau geprägten Sozialregionen33 verantwortlich zeichneten, gepaart mit dem Eigen-Sinn der historischen Akteure. Neben Eigen-Sinn und Herrschaft als soziale Praxis34 erscheint Charles Taylors Konzept der social imaginaries 35 ein methodisch nützliches Frame.

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Schon Ende 1941 war deutlich, dass die volkstumspolitischen und die den Arbeitseinsatz betreffenden Verordnungen quer zueinander stehende Gewaltpraktiken bedeuteten. Noch während die Vertreibungen im Gange waren, konstatierten zeitgenössische Beobachter gravierende Folgen für die wirtschaftliche Lage und insbesondere das Arbeitskräftepotential. 36 Während aber in Mežica die Ausbeutung der Bleierzvorkommen aufgrund der dortigen Konstellation während der ersten beiden Besatzungsjahre vergleichsweise reibungslos verlief, war die Untersteiermark seit Juni 1941 Schauplatz der ersten, ihrerseits gewaltsamen, Widerstandsaktionen der kommunistisch geführten Partisanen.

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In Mežica war es insbesondere Werksdirektor Emil Tschernig, der gegen die Germanisierungspolitik, die den Slowenen das Existenzrecht absprach, in einer Weise agierte, die eine „altösterreichische“, insbesondere aber eine starke bergbauliche Identität spiegelt. Er versuchte, „seine“ Werksangehörigen zusammenzuhalten, offenbar unter beachtlichem persönlichem Einsatz:

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„Es gelang […] der Leitung des Unternehmens durch eine Reihe von Vorsprachen bei Dienststellen der Partei und der Behörden, so vor allem der Gau- und Kreisleitung, beim politischen Kommissar in Unterdrauburg [Dravograd], beim Chef der Zivilverwaltung in Veldes [Bled], dem Kommandeur der Polizei und des SD, u. v. a. und durch Eingaben und Berichte den Umfang der geplanten Umsiedlung weitgehend einzuschränken. Immerhin verlor das Werk 38 Gefolgschaftsmitglieder, darunter 16 Angestellte, welche sich jetzt in Serbien befinden und zum Teil bei deutschen Betrieben in dem an Bulgarien gefallenen Teil Mazedoniens (Zletovo) eingesetzt sind.“ 37

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Einer der nach Makedonien deportierten Ingenieure war Viktor Fettich, der seit 1922 ununterbrochen in der Bleihütte in Mežica tätig gewesen war. Da Tschernig zeitgleich seine Tätigkeit in Bleiberg aufgenommen hatte und die Verbindungen zwischen den beiden Werken trotz der neuen Staatsgrenze bestehen geblieben waren, ist davon auszugehen, dass die beiden Männer sich seit längerem kannten. 38 Zwei Tage vor dem deutschen Angriff hatten die Briten am 4. April Fettich die Werksleitung übertragen. Im Zuge der Besetzung ordnete er die Zerstörung der vitalen Teile des Werks an. In Berichten der Gauleitung Kärnten über die Aussiedlungen aus Mežica heißt es, dass er „im Bleibergwerk Mieß Sprengungen vorgenommen und sich dort als Terrorist gegen das Deutschtum betätigt hat“, dass er „das gegebene Wort gebrochen hat, nach seiner Enthaftung 2 Versammlungen abhielt, bei der einen waren 15 und bei der zweiten 30 Personen anwesend, die Fettich aufforderte, Slowenen zu bleiben.“ 39 Die Arbeiter kamen Fettichs Sprengungsbefehl jedoch nicht nach, reparierten im Gegenteil noch das, was zerstört worden war, wie elektrische Leitungen, Wege und Brücken:

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„In den Abendstunden des 8. April sollten über Auftrag des serbischen Militärs alle Kraftwerke gesprengt werden, doch gelang es dank dem entschlossenen Eingreifen der Maschinenwärter, welche die Zündschnüre durchschnitten oder heimlich die Kapseln durchfeuchteten, dieses Vorhaben zu vereiteln. […] Alle Maschinen, Geräte und Kabel konnten dank dem vorbildlichen Einsatz der Gefolgschaft geborgen werden.“ 40

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Dieselben „werkseigenen Kräfte“ sorgten mit Unterstützung der Wehrmacht dafür, dass die gesprengte Fernstromleitung zum 40 Kilometer entfernten untersteirischen Kraftwerk in Velenje (Wöllan) binnen weniger Tage – über die Osterfeiertage – wiedererrichtet wurde. 41 Fettich wurde einen Tag nach der jugoslawischen Kapitulation am 18. April mit einigen weiteren slowenischen Führungskräften sowie sieben politisch verdächtigen Bergmännern von der Gestapo verhaftet und drei Tage später in das Polizeigefängnis Klagenfurt verbracht. Ihre Familien brachte man in das gerade errichtete Internierungslager St. Vid bei Ljubljana. 42 Ivan Mohorič, Autor einer Abhandlung aus titoistischer Zeit über die Industrialisierung der Mežiška dolina, benutzt die Floskel der „fünften Kolonne“, um die Haltung der Bergarbeiter zu beschreiben, die das Werk nicht sabotieren wollten. Er vermerkt dann durchaus korrekt, es sei die Werksleitung der BBU gewesen, also Repräsentanten der Besatzer, die verhindert habe, dass Fettich und ein weiterer Ingenieur erschossen wurden. Über Tschernig schreibt Mohorič, er sei „in der Ausführung der ihm übertragenen Aufgabe gegenüber der Arbeiterschaft korrekt gewesen und habe vielen Slowenen geholfen, am Leben zu bleiben“ 43, was für einen der titoistischen Volksbefreiungstradition verpflichteten slowenischen Historiker durchaus eine ungewöhnliche Aussage ist.

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Tschernig vermerkte im Bericht zum ersten Besatzungsjahr: „Die Arbeitsdisziplin und Arbeitswilligkeit muß als sehr gut bezeichnet werden.“44 Das größte Problem sah er in der Tat in der Volkstumspolitik. 45 Er setzte sich für gute Arbeiter und Fachkräfte slowenischer Nationalität ein und suchte deren „verdächtige“ Mitgliedschaften, wie jene im nationalen Sportverein Sokol, durch schlichtes Interesse am Sport zu rechtfertigen und auch andere politisch „zweifelhafte“ Aktivitäten entschärft darzustellen. 46 Er tauschte Briefe mit jenen slowenischen Ingenieuren aus, deren Vertreibung er nicht hatte verhindern können, und bemühte sich auch um praktische Hilfe, etwa die Verhinderung des Verkaufs bzw. der Beschlagnahmung von Häusern, Möbeln und anderem Besitz. 47

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Der Briefwechsel zwischen Tschernig und dem erwähnten Viktor Fettich, dem der Bleierzbergbau in Zletovo im bulgarisch besetzten Makedonien „übertragen“ worden war, überdauerte die gesamte Besatzungszeit und spiegelt den Austausch zweier guter Fachkollegen, die sich schätzten. Hinsichtlich der Wertschätzung der eigenen Arbeit und (bergmännischen) Identität spricht insbesondere aus einem Brief Fettichs vom April 1943 deutlich die Seelenverwandtschaft zwischen den beiden Männern und Fettichs Fremdheitsgefühl im als „Orient“ wahrgenommenen Makedonien:

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„‚Mazedonien‘ hat einen berechtigten Beigeschmack. […] Die Einheimischen sind freundlich, was sie denken, weiß niemand, denn sie sind durch Jahrhunderte gewöhnt, ihre Gedanken zu verbergen und jeder ‚Obrigkeit‘ schön zu tun. Verlassen kann man sich auf niemand. Und dann tun sie so wenig es nur möglich ist, Geld spielt eine kleine Rolle und ist kein großer Anreiz, sie glauben an keine Beständigkeit, denn sie haben schon soviel Wechsel erlebt, dass sie niemand mehr Glauben schenken. Hatte einer mehr Geld, so kam irgendein Aga oder Beg oder Sreski načelnik oder irgend ein Haiduk oder Komita und erpresste es, so dass die, die am armseligsten lebten, am ehesten unbehelligt durchkamen. Drum leben die meisten noch heute schlechter wie das Vieh dort. Mit solchen Leuten ist das Arbeiten nicht leicht.“ 48

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Tschernig bekam nicht zuletzt wegen des Falles Fettich Schwierigkeiten mit der NS-Gauverwaltung. SS-Standartenführer Alois Maier-Kaibitsch, der als Geschäftsführer des Kärntner Heimatbundes maßgeblich die Aussiedlung der Kärntner Slowenen verantwortete, beschuldigte Tschernig, es fehle

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„an der entsprechenden Arbeit gegen die slovenisch kommunistische Tätigkeit innerhalb des Werkes, bei dem verschiedene Partisanen beschäftigt sind. Es steht fest, daß Fettich und Ing. Gogala seinerzeit die Absicht hatten, das Werk zu sprengen und dieser Plan nur deshalb unterblieb, weil die Arbeiter schließlich nicht mittun wollten. Gogala ist, obwohl der nationaler Slovene ist, noch immer im Werk beschäftigt. […] Herr Dr. Tschernig [hat] sicherlich die betriebswirtschaftlichen Aufgaben einwandfrei gelöst […], aber das im Mießtal so wichtige Werk Mieß [muss] auch in volkspolitischer Richtung mit dem Ziele der völkischen Angliederung des Mießtales an den übrigen Gau Kärnten seine Aufgaben erfüllen und die Werksleitung sich dem entsprechend einstellen.“ 49

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Tatsächlich geht aus dem Jahresbericht 1943 hervor, dass der genannte Berginspektor Gogala in der 1941 eingerichteten bergmännischen Berufsschule gar die jugendlichen Lehrlinge unterrichtete, in den Fächern „Unfallverhütung“ und „Bergpolizei-Vorschriften“. 50 Im Mai 1944 erklärte Maier-Kaibitsch, Tschernig stehe „noch immer in Korrespondenz mit Ing. Fettich“ und sei „daher für das Mießtal politisch untragbar“, was Tschernig echauffiert dazu veranlasste, um seine Amtsenthebung zu ersuchen, allerdings, wie auch schon 1942, vergeblich. 51

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 Während in Mežica zwar die Spannungen zwischen Besatzungsverwaltung und Werksleitung zunahmen, der Betrieb aber – nicht zuletzt dank der Bemühungen Tschernigs, die slowenischen Bergarbeiter zu schützen – ansonsten relativ reibungslos lief 52, spiegeln die Protokolle der Monatsbesprechungen der Direktion der Energieversorgung Südsteiermark, dass im Kohlenrevier die volkstumspolitischen Maßnahmen die Arbeit spätestens Ende 1941 massiv beeinträchtigten. Seit Ende Juli hatten die ersten Partisanenaktionen darauf gezielt, Aussiedlungen zu verhindern und die Arbeit zu sabotieren. 53 Für die Besatzer erwies es sich nicht nur als äußerst schwierig, qualifizierte Ersatzkräfte für die vertriebenen Facharbeiter und Ingenieure zu finden, sie notierten auch den wachsenden Unmut der Bergleute:

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„Die gegen Ende August eingetretene Beunruhigung wegen der Aussiedlung ins Altreich hat sich in der ersten Hälfte September erheblich verstärkt. […] Die Stimmung unter der Arbeiterschaft, und zwar auch bei solchen Arbeitern, die als deutschfreundlich bekannt waren, soll keine gute sein.“ 54

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Im Juli 1942 wurde der Reichsarbeitsdienst auf die CdZ-Gebiete ausgedehnt. 55 Auch die seit März 1942 durchgeführten Rekrutierungen von mehreren zehntausend slowenischen Männern in die Wehrmacht sollten der Germanisierung dienen und die weitere Stärkung der Partisanen verhindern. 56 Der Effekt war ein doppelt negativer: Anfang 1943 beurteilte das Oberbergamt Wien die Arbeitseinsatzsituation in den Kohlenwerken als „durchwegs schlecht“, und zwar einerseits aufgrund der Einberufungen zu Wehrmacht und Reichsarbeitsdienst, andererseits auch durch nicht ersetzbaren „Abgang“, sprich Arbeitsflucht. 57 Zudem reduzierten „Einberufungen von Gefolgschaftsmitgliedern zur Wehrmannschaft“, also der Einsatz der Arbeiter im Kampf gegen die Partisanen sowie für Luftschutzstollenbauten, die Belegschaft weiter. 58

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Berichteten die Werksleitungen im Kohlenrevier seit Anfang Juli 1942 regelmäßig über Partisanenüberfälle, Zwangsrekrutierungen und „Flucht zu den Banditen“, Gefangennahmen, Ermordungen, insbesondere von Werkschutzangehörigen, aber auch von Bergleuten 59, stand in Mežica erst das Jahr 1943 „im Zeichen einer ständig größer werdenden Unruhe, welche ihren Grund im Übergreifen der Partisanentätigkeit auf unser Gebiet und der dadurch ungünstig beeinflußten politischen Lage hat.“ 60 Seit April verzeichnete man

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„eine Reihe von Überfällen, Verschleppungen, Morden, Brandstiftungen, Sabotageakten an den Hochspannungsleitungen usw., denen auch eine Reihe unserer Gefolgschaftsmitglieder zum Opfer fiel. […] Durch die Anfang 1943 beginnenden Einberufungen zur Wehrmacht, durch Verhaftungen seitens der Staatspolizei, durch Befehle zur Versetzung von nicht voll verläßlichen Werksangehörigen zu anderen Betrieben im Altgau Kärnten und schließlich durch die von Partisanen verursachten Ausfälle verlor der Bergbau eine namhafte Zahl von Angestellten und Arbeitern (über 200), für die es keinen Ersatz gibt, da im besetzten Gebiet weder Kriegsgefangene noch Ostarbeiter eingesetzt werden dürfen.“ 61

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Tatsächlich kam auch in Trbovlje der Plan, Kriegsgefangene zum Einsatz zu bringen, nicht zur Umsetzung – wobei sowjetische, wohl aus Angst vor (weiterer) kommunistischer Unterwanderung, von vorn herein ausgeschlossen wurden. 62 Die Widerstandsbewegung im „panslawisch-kommunistischen Zentrum des Industriegebietes Trifail-Tüffer“ zeigte ihre Wirkung. 63 Im Juni 1943 waren die slowenischen Gebiete auf Befehl Himmlers zum Bandenkampfgebiet erklärt worden. 64 In Mežica und im Kohlenrevier hatte dies verschärfte Wehrschutzmaßnahmen zur Folge. In Trbovlje zog man Stacheldraht zur Sicherung der Schächte, umzäunte wo möglich das Werksgelände, bemühte sich um eine weitere Verstärkung des Werkschutzes und kämpfte gleichzeitig mit Material- und Personalmangel, die letztlich die Bewerkstelligung der gewünschten Sicherungsmaßnahmen unmöglich machten. 65 Was in Trbovlje Stacheldraht bewirken sollte, wurde in Mežica mittels Vermauerung der Stollen versucht. Von neun blieben nur zwei offen, die unter militärischer Bewachung standen. 66

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Die Einberufungen zur Wehrmacht waren, zusammen mit der Wendung des Krieges, die Hauptursache für den Stimmungswechsel in Mežica. Die erste Partisaneneinheit formierte sich im April 1943 aus Männern, die sich dem Einberufungsbefehl entzogen hatten. 67 Das Jahr 1944 war „innerhalb und außerhalb des Betriebes eine Kampfzeit. Die […] Partisanentätigkeit nahm ab Mitte März Formen an, die den regelrechten Krieg in unser Gebiet brachten. […] (einmal im August wurde Schwarzenbach von über 2 000 Mann mit schweren Waffen angegriffen). […] Der Gesamtverlust beträgt also 478 Mann, naturgemäß die kräftigsten, gesundesten und leistungsfähigsten Leute. […] Da außerdem 153 Mann zur Wehrmacht abgingen, haben wir einen Gesamtverlust von 631 Mann zu buchen, das sind 41,6% des Standes am Jahresbeginn, nach der Leistungsfähigkeit und dem Arbeitswert aber mindestens die Hälfte.“ 68

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In Trbovlje zersetzte die Einwirkung der Partisanen nach und nach die Belegschaft, die nun „häufig beim Politisieren angetroffen“ wurde.69 Das lokale Kreiskomitee der Volksbefreiungsfront urteilte indes Ende Juli 1944, „die Masse der Bergleute ist sich immer noch zuwenig der Bedeutung der Befreiungsbewegung und der Rolle der Arbeiterschaft insgesamt, der Bergarbeiter aber besonders, bewußt. Also wartet die Mehrheit der Arbeiter immer noch, bis zum letzten Augenblick, sei es aus Angst vor Verhaftung wegen Verbindungen zu uns, sei es aus Angst vor deutschen Repressalien.“70

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Trotz des Einsatzes der Wehrmacht beklagte die Betriebsleitung „den vollkommen unzureichenden Schutz der Betriebe gegenüber dem Zugriff der Partisanen“. 71 In den Augen der Werksbetreiber kam die Mobilisierung einem Aufruf zum Generalstreik gleich, den die verbliebene Belegschaft aller Kohlenbergwerke „ziemlich durchgreifend“ befolgt habe.72 Die Förderung kam wegen des wachsenden Mangels an Arbeitskräften und des Einsatzes der verbliebenen Arbeiter bei Sicherungsarbeiten weitgehend zum Erliegen.73

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Sieht man einmal von der alles beherrschenden Gewalt ab, endete die Besatzung in Mežica einige Monate später so, wie sie begann: geordnet. In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1945 griffen die Partisanen Dravograd (Unterdrauburg), Črna (Schwarzenbach) und Žerjav (Scheriau) an. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai erging der Befehl an die Besatzungsinstitutionen, das besetzte Gebiet zu verlassen. Im Bergwerk übergab Emil Tschernig, bevor er Richtung Klagenfurt abfuhr, die Schlüssel und damit die Geschäfte an den Berginspektor Gogala, dessen Vertreibung er vier Jahre zuvor verhindert hatte.74

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Fazit

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Die Forschung hat einen weitgehenden Konsens über die Kategorisierung von NS-Arbeitsverhältnissen erreicht, mit Ausnahme der „Einordnung derjenigen Arbeitskräfte, die außerhalb des Reichsgebietes für die Deutschen Zwangsarbeit leisten mussten“.75 Dass die Beurteilung dessen, was als Zwangsarbeit und/oder unfreie Arbeit angesehen wird, auch von der jeweiligen gesellschaftlichen Kultur, Politik, Werteverfasstheit und nicht zuletzt dem Recht abhängt, ist vielfach verdeutlicht worden.76 Die geleistete Arbeit in Mežica und Trbovlje fällt eindeutig nicht unter den Begriff Zwangsarbeit, schon weil die slowenischen besetzten Gebiete in arbeitseinsatztechnischer Hinsicht wie Reichsgebiet behandelt wurden.

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Der hier verfolgte Ansatz ist ein erfahrungs- und sozialgeschichtlicher, der nicht zuletzt historische Pfadabhängigkeiten berücksichtigt. 77 Arbeitsbeziehungen sind immer auch Herrschaftsbeziehungen, weswegen Loyalität ein Schlüsselbegriff ist, um den Umgang mit und die (Eigen-)Definitionen von Arbeit und die damit verknüpften Werte zu erfassen.78 Bezüglich des Arbeitseinsatzes und der Arbeitsbeziehungen in slowenischen Bergbaubetrieben sind zudem vielfältige Aspekte der slowenischen, jugoslawischen, deutschen, österreichischen und internationalen, oftmals selektiv argumentierenden Forschung zusammenzuführen und zu erweitern.

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Die slowenischen Wirtschaftsobjekte – ganz Slowenien – sollten „eingedeutscht“ werden, wurden de facto annektiert und unterlagen den normativen Vorgaben des Reichs. Die Selektion der Arbeiter erfolgte auf rassistischer und ideologisch-politischer Grundlage und stand in fortwährendem Widerspruch oder zumindest in einem Spannungsverhältnis zu den kriegswirtschaftlichen Interessen. Die Arbeit im Bergbau war ambivalent – sie bot Schutz vor Deportation und Mobilmachung einerseits; sie bedeutete Arbeit für den Feind andererseits. Im Laufe des Krieges und mit anwachsender Widerstandsbewegung, die wiederum vom wachsenden Widerwillen gegen die deutschen Repressalien genährt wurde, wandelte sich nicht nur die Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen. Jenseits der Abstufungen von auferlegter Pflicht und Zwang stellen sich auch vielfältige Fragen nach der Loyalität und dem subjektiven Empfinden, den Erfahrungsräumen und daraus resultierenden Erwartungshorizonten (Koselleck).

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In Slowenien sind die massiven Sabotageaktionen durch die kommunistisch geführte Partisanenbewegung für eine Geschichte der Arbeit unter NS-Besatzung nicht zu unterschätzen. Die Masse der Arbeiter blieb – wie anderswo auch – unpolitisch und hatte Angst sowohl vor den deutschen Repressionen als auch vor den Partisanen. Dennoch: Mit wachsender Widerstandsbewegung wuchsen auch die Phänomene Arbeitsflucht, Arbeitsverweigerung, bis hin zum Befolgen des Streikaufrufs der Partisanen im September 1944 im slowenischen Braunkohlenbergbau Trbovlje. Wenn mangelnde exit, voice und Überlebenswahrscheinlichkeit Merkmale von Zwangsarbeit sind, so könnte ihre Verknüpfung mit den Wirkungen der kommunistisch geführten Widerstandsbewegung neue Facetten aufzeigen.

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Das Spannungsfeld zwischen der kriegswirtschaftlichen Bedeutung und dem rassenideologischen Umgang mit slawischen Menschen verschob sich im Zuge des Krieges. Der totalitäre Anspruch des NS-Staats ist die eine Seite, während bestehende Loyalitäten – bergmännische Solidarität, alte imperiale Muster, fachliche und menschliche Wertschätzung unter Kollegen – durchaus wirkmächtig blieben. Die Bergleute in Mežica standen offensichtlich der „Wiederkehr“ Österreichs, wie sie glaubten, nicht ablehnend gegenüber. Zu prekär waren die zwei Jahrzehnte jugoslawischer Staatlichkeit gewesen. Es waren nationalsozialistische Gewalt und Terror, die sie eines Besseren belehrten: Die „alten Zeiten“ würden nicht wieder kommen.79

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  1. Ferdinand Friedensburg, Kohle, Eisen und Bauxit in Jugoslawien, in: Glückauf. Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift 75/46, 18.11.1939, S. 897–903, 913–919, S. 897.
  2. Geoff Eley, Empire, Ideology, and the East: Thoughts on Nazisms Spatial Imaginary, in: Maiken Umbach/Claus-Christian W. Szejnmann (Hg.), Heimat, Region, Identity. Spatial Identities under National Socialism, Basingstoke 2012, S. 252–275, S. 268.
  3. Vgl. Maiken Umbach/Claus-Christian W. Szejnmann, Introduction: Towards a Relational History of Spaces under National Socialism, in: Dies. (Hg.), Heimat, Region, Empire, 1-22, zur Art und Weise, wie zentralistische Ansätze bislang a more wholesale reappraisal of spatial diversity within National Socialism entgegenständen (S. 9).
  4. Die Mežiška dolina (Mießtal) war nicht Teil der Kärntner Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920, sondern ihre künftige Zugehörigkeit zu Jugoslawien war – wie für das Sudetenland, Südtirol usw. – in Versailles bestimmt worden, vgl. Ivan Mohorič, Industrializacija Mežiške doline, Maribor 1954, S. 285ff.; Thomas Zeloth, Zwischen Staat und Markt. Geschichte der Bleiberger Bergwerks-Union und ihrer Vorläuferbetriebe, Klagenfurt 2004, S. 334–337.
  5. Vgl. Mohorič, Industrializacija, S. 178, der, aus sozialistischer Perspektive schreibend, den englischen Modernisierungsschub hochlobt: Das so ausgestattete Bergwerk stellte für die Verhältnisse im alten Jugoslawien eine technisch vorbildliche Montanindustrie dar.
  6. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, S. 340–343, 426–429.
  7. Ivan Mohorič, Problemi in dosežki rudarjenja na Slovenskem: zgodovina rudarstva, Bd. 1, Maribor 1978, S. 226–238.
  8. Friedensburg, Kohle, Eisen und Bauxit, S. 902; Arhiv Republike Slovenije (ARS), Energieversorgung Südsteiermark (EV Süd), fasz. 4, Beschreibung des Kohlenwerkes Trifail, 20.4.1941.
  9. Sabine Rutar, Zwischen Volkstumspolitik und Volksbefreiungskampf. Braunkohlenabbau im deutsch besetzten Slowenien, in: Klaus Tenfelde/Hans-Christoph Seidel (Hg.), Zwangsarbeit im Bergwerk. Der Arbeitseinsatz im Kohlenbergbau des Deutschen Reiches und der besetzten Gebiete im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Essen 2005, S. 537–569, S. 552f.
  10. ARS, EV Süd, fasz. 4, Beschreibung des Kohlenwerkes Trifail, 20.4.1941 (Zitat); Mohorič, Industrializacija, S. 228.
  11. Sergej Dimitrijević, Karakteristike industrije i rudarstva bivše Jugoslavije, Beograd 1949, S. 43; Der Arbeitslohn im ehemaligen Jugoslawien, in: Arbeitswissenschaftliches Institut der Deutschen Arbeitsfront (Hg.), Jahrbuch 1940/41, 2. Bd., S. 855, gibt für September 1940 als Tageseinkommen eines jugoslawischen Arbeiters kaum 25 Prozent desselben Existenzminimums an.
  12. Friedensburg, Kohle, Eisen und Bauxit, S. 897.
  13. Holm Sundhaussen/Wolfgang Höpken, Jugoslawien von 1914 bis zur Gegenwart, in: Wolfram Fischer u.a. (Hg.), Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart, Stuttgart 1987 (Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, 6), S. 847–914, S. 868.
  14. ARS, EV Süd, fasz. 4, Beschreibung des Kohlenwerkes Trifail, 20.4.1941. Lojze Požun, Trbovlje v NOB: 1941-1942, Trbovlje 1986, S. 10–13, beziffert die Reduzierung der Belegschaft zwischen 1925 und 1934 auf 58 Prozent.
  15. ARS, EV Süd, fasz. 4, Beschreibung des Kohlenwerkes Trifail, 20.4.1941.
  16. Mohorič, Industrializacija, S. 188.
  17. Požun, Trbovlje v NOB, S. 8–16.
  18. Der folgende Überblick über die Besatzung basiert auf Sabine Rutar, Besetztes jugoslawisches Gebiet Slowenien, in: Gerd R. Ueberschär (Hg.), Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933/39-1945, München 2011, S. 269–280.
  19. Vgl. hierzu und allgemein zum Topos Grenzlandschicksal am Beispiel des Gaus Oberrhein Thomas Williams, Grenzlandschicksal: Historical Narratives of Regional Identity and National Duty in Gau Oberrhein, 1940-1944, in: Umbach/Szejnmann (Hg.), Heimat, Region, Identity, S. 56–71. Er nennt den Reichsarbeitsdienst als diejenige Instanz, die sich besonders in der Mobilisierung regional verankerter Identitäten im Sinne der Heim-ins-Reich-Politik hervorgetan habe (S. 60).
  20. In der Forschung ist mehrfach die Interdependenz von rassenideologischen Maßnahmen und wirtschaftlichen Interessen herausgestellt worden, vgl. Andreas Strippel, NS-Volkstumspolitik und die Neuordnung Europas. Rassenpolitische Selektion der Einwandererzentralstelle des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD 1939-1945, Paderborn 2011, S. 18f.; Sibylle Steinbacher, Musterstadt Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Oberschlesien, München 2000; sowie Alexa Stiller, On the Margins of Volksgemeinschaft: Criteria for Belonging to the Volk within the Nazi Germanization Policy in the Annexed Territories, in: Umbach/Szejnmann (Hg.), Heimat, Region, Identity, S. 235–251. Methodisch anregend, aber leider erneut die Peripherien des Reichs vernachlässigend Dietmar von Reeken/Malte Thießen (Hg.), Volksgemeinschaft als soziale Praxis. Neuere Forschungen zur NS-Gesellschaft vor Ort, Paderborn 2013. Zur Forschungsdebatte Michael Wildt, „Volksgemeinschaft“. Eine Antwort auf Ian Kershaw, in: Zeithistorische Forschungen 8 (2011), H. 1, http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Wildt-1-2011.
  21. Vgl. zu Arbeitskräften aus und in Jugoslawien, vor allem Serben, Zoran Janjetović, Arbeitskräfterekrutierung und Zwangsarbeit im Militärverwaltungsgebiet Serbien 1941–1944, in: Florian Dierl/Karsten Linne/Zoran Janjetović, Pflicht, Zwang und Gewalt. Arbeitsverwaltungen und Arbeitskräftepolitik im deutsch besetzten Polen und Serbien 1939–1941, Essen 2013, 317-442; Sabine Rutar, Arbeit und Überleben in Serbien: Das Kupfererzbergwerk Bor im Zweiten Weltkrieg, in: Geschichte und Gesellschaft 31 (2005), S. 101–134, sowie knapp Robert Bohn, Reichskommissariat Norwegen: Nationalsozialistische Neuordnung und Kriegswirtschaft, München 2000; und Nathalie Piquet, Charbon, Travail forcé, collaboration: der nordfranzösiche und belgische Bergbau unter deutscher Besatzung, 1940–1944, Essen 2008.
  22. Tone Ferenc, Quellen zur nationalsozialistischen Entnationalisierungspolitik in Slowenien 1941–1945, Maribor 1980, Dok. 115: Anordnung Nr. 45/I des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums über die weitere Aussiedlung von Slowenen aus den besetzten Gebieten Sloweniens, 4.9.1941.
  23. Befreites Land. Untersteiermark und Nordkrain, in: Der Vierjahresplan 5 (Juni 1941), S. 601–603, Zitate S. 601 und 602; Industrielle Probleme der Steiermark. Der gewerbliche Beitrag der Untersteiermark, in: Der Vierjahresplan 6 (Januar 1942), S. 39. Im Detail zur Einbindung der BBU in das den Bergbau und die Industrie betreffende deutsche Prämiensystem Zeloth, 402–405. Das Gros der Aktien übernahm die Preußische Bergwerks- und Hütten AG.
  24. Kärntner Landesarchiv (KLA), AT KLA 813 – Bleiberger Bergwerks Union (BBU), Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1941.
  25. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, 429f. Heinisch war 1932, im Zuge der weltwirtschaftskrisenbedingten Schließungskrise in Bleiberg, an die Spitze des Werks berufen worden. Tschernig war zeitgleich zum Werksleiter ernannt worden, 1936 zum Werksdirektor.
  26. KLA, BBU, Schachtel 317, Bericht der Bleiberger Bergwerks-Union an den Staatsrat in Belgrad, 15.2.1941. Vgl. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, S. 401–420, zum als reibungslos etikettierten vorherigen Übergang des österreichischen Bergbaus in die deutsche Wirtschaft nach 1938. Tschernig schrieb noch 1957, die NS-Wirtschaftspolitik sei dem Bergbau förderlich gewesen, vgl. Emil Tschernig, Der Buntmetallbergbau in Österreich, Klagenfurt o.J. [1957
  27. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1941, S. 7f., 43.
  28. Ebd., S. 10.
  29. U. S. National Archives Records Administration, Washington (NARA), T-17 R 17, Oberbergamt Wien, Lagebericht, 15.9.1941.
  30. Ebd.
  31. Ferenc, Quellen, Dok. 23: Richtlinien und Anweisungen des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums zur Aussiedlung von Slowenen und Ansiedlung von Deutschen in der Untersteiermark, 18.4.1941.
  32. Eine Anmerkung in Ferenc, Quellen, Dok. 23: Richtlinien und Anweisungen des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums zur Aussiedlung von Slowenen und Ansiedlung von Deutschen in der Untersteiermark, 18.4.1941, zitiert diese Äußerung des Grazer Regierungspräsidenten Otto Müller-Haccius in einer Stabsbesprechung am 30. April 1941. Vgl. ders., Nacistična raznarodnovalna politika v Sloveniji v letih 1941-1945, Maribor 1968, S. 257–289, 322–327, wo er 214 Trboveljer Bergmannsfamilien nennt, insgesamt 976 Personen, die von den Aussiedlungen ausgenommen worden seien.
  33. Klaus Tenfelde (Hg.), Sozialgeschichte des Bergbaus im 19. und 20. Jahrhundert, München 1992; vgl. auch Angelika Westermann (Hg.), Montanregion als Sozialregion. Zur gesellschaftlichen Dimension von Region in der Montanwirtschaft, Husum 2012.
  34. Alf Lüdtke (Hg.), Herrschaft als soziale Praxis: historische und sozial-anthropologische Studien, Göttingen 1991; ders., Eigen-Sinn: Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich bis in den Faschismus, Hamburg 1993.
  35. Charles Taylor, Modern Social Imaginaries, Durham 42007.
  36. Ferenc, Quellen, Dok. 179: Abschliessender Bericht der Deutschen Gesandtschaft in Zagreb über die Aussiedlung von Slowenen und Serben, 20.11.1941; Dok. 218: Bericht von Hans Baron und Franz Tscheligi über die Lage in der Untersteiermark. Baron war der ehemalige Gebietsführer des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes für die Drau-Banschaft; Tscheligi war Brauereibesitzer in Maribor.
  37. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1941, S. 11. Vgl. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, S. 432–435, zu den Bemühungen Tschernigs, seine Belegschaft zusammenzuhalten. Es habe während des Höhepunktes der Aussiedlungsaktion im Juli 1941 ein Feilschen um jede Arbeitskraft – jedenfalls um jede qualifizierte (S. 433) begonnen.
  38. Viktor Fettich, in: Wikipedia, http://sl.wikipedia.org/wiki/Viktor_Fettich; Nachruf: Bergrat h. c. Dr. mont. Dipl. Ing. Emil Tschernig, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 63 (1970), S. 235ff.
  39. KLA, BBU, Schachtel 552, Bericht über den Aussiedlungsfall Direktor Dipl.-Ing. Viktor Fettich-Frankenheim, 12.11.1941.
  40. Ebd., Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1941, S. 3.
  41. Ebd., S. 4, 6.
  42. Mohorič, Industrializacija 201f. Vgl. Stiller, On the Margins, S. 244ff., zum Rassen-Screening in den slowenischen Gebieten, dem sich insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen unterziehen musste. Zum Kriterium der Eindeutschungsfähigkeit und zum Sonderfall Slowenien für den Apparat des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums vgl. Strippel, NS-Volkstumspolitik, S. 207f.
  43. Mohorič, Industrializacija, 201ff. (Zitat 202f.).
  44. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1941, S. 43.
  45. Ebd., S. 6f.
  46. KLA, BBU, Schachtel 552, Tschernig an Heinisch, Betr.: Herbert Kalisch, 2.2.1942.
  47. Ebd., Brief von Viktor Fettich an Emil Tschernig, 21.4.1942.
  48. Ebd., Brief von Viktor Fettich an Emil Tschernig, 26.4.1943.
  49. Ebd., Schachtel 322, nicht gez. Schreiben an BBU-Generaldirektor Dipl.-Ing. Gustav Heinisch, 01.06.1944. Die Schachtel enthält weitere Korrespondenz der Vertreter des NS-Besatzungsapparrates in Sachen Gesinnung von und Umgang mit Emil Tschernig.
  50. Ebd., Schachtel 319, Jahresbericht BBU 1943, S. 59.
  51. Ebd., Emil Tschernig an BBU-Generaldirektor Dipl.-Ing. Gustav Heinisch, 25.5.1944. Tschernig erwähnt in diesem Schreiben, ein analoges Gesuch schon am 20.6.1942 vorgebracht zu haben.
  52. Vgl. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, S. 435–439.
  53. Zur Volksbefreiungsfront im Kohlenrevier im ersten Besatzungsjahr Požun, Trbovlje v NOB, passim.
  54. Ferenc, Quellen, Dok. 140: Bericht des Politischen Kommissars für den Kreis Marburg-Stadt (Maribor-mesto) über die politische und wirtschaftliche Lage im September 1941, o. D.
  55. Ebd., Dok. 232: Verordnung des Chefs der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains über die Einführung des Arbeitsdienstrechtes, 7.7.1942.
  56. Marjan Žnidarič u.a. (Hg.), Nemška mobilizacija Slovencev v drugi svetovni vojni, Celje 2001, S. 20. Vgl. Ferenc, Dok. 233: Verordnung des Chefs der Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten Kärntens und Krains über die Einführung des Wehrrechts, 7.7.1942.
  57. NARA, T-17 R 17, Oberbergamt Wien, Lagebericht, 15.3.1943.
  58. ARS, EV Süd, fasz. 67, Niederschrift über die Direktorenbesprechung am 27.10.1943 in Cilli, Hotel Europa, vom 4.11.1943.
  59. Ebd., fasz. 8, Tagesberichte der Werksleitungen in Hrastnik und Laško, die seit Mitte Juli 1942 fast täglich in Schutzhaft genommene Belegschaftsmitglieder erwähnen.
  60. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht BBU 1943, S. 1. Vgl. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, S. 455f.
  61. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1943, S. 1, 54. Vgl. Zeloth, 444-446, zum Einsatz ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangener in Bleiberg, die in der zweiten Kriegshälfte weit über die Hälfte der Belegschaft ausmachten.
  62. ARS, EV Süd, fasz. 67, Niederschrift über die Monatsbesprechung am 2.7.1942 in Cilli.
  63. Ferenc, Quellen, Dok. 272: Bericht von Alexander Dolezalek über den Stand der Umsiedlung in der Untersteiermark, Oktober 1942. Dolezalek war Mitglied des SS-Ansiedlungsstabes Poznàn und 1941 vorübergehend als Leiter der Planungsabteilung im SS-Ansiedlungsstab Südmark in der Untersteiermark im Einsatz.
  64. Ebd., Dok. 312: Befehl des Reichsführers SS – Erklärung der besetzten slowenischen Gebiete zum Bandenkampfgebiet, 21.6.1943.
  65. ARS, EV Süd, fasz. 67, Niederschrift über die Monatsbesprechung am 26.8.1943 in Cilli; Niederschrift über die Direktorenbesprechung am 27.10.1943 in Cilli, Hotel Europa, vom 4.11.1943; Niederschrift zur Direktorenkonferenz am 21.4.1944 in Cilli.
  66. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1944, S. 9f.
  67. Marjan Linasi, Kako je nemški okupator ocenjeval razmere v Mežiški dolini 1941–45, in: Koroški zbornik 3 (2001), S. 56–84, S. 69.
  68. KLA, BBU, Schachtel 319, Jahresbericht CEM 1944, S. 1.
  69. ARS, EV Süd, fasz. 67, Niederschrift zur Direktorenkonferenz am 21.4.1944 in Cilli.
  70. Zitiert nach Metod Mikuž, Pregled zgodovine narodnoosvobodilne borbe v Sloveniji, Bd. 4., Ljubljana 1973, S. 654f.
  71. NARA, T-17 R 17, Oberbergamt Wien, Lageberichte vom 18.7.1944.
  72. ARS, EV Süd, fasz. 67, Bericht zur Lage im untersteirischen Kohlenbergbaue, Cilli, Oktober 1944.
  73. Ebd., Niederschrift zur Direktorenkonferenz am 21.4.1944 in Cilli; NARA, T-17 R 17, Oberbergamt Wien, Lageberichte vom 18.9., 21.10., 22.11.1944.
  74. KLA, BBU, Schachtel 6, Bericht über die Ereignisse in Mežica in der Zeit vom 1. bis 8.5.1945. Vgl. Zeloth, Zwischen Staat und Markt, S. 455f.
  75. Den vielleicht besten Forschungsüberblick gibt Hans-Christoph Seidel, Der Ruhrbergbau im Zweiten Weltkrieg. Zechen – Bergarbeiter – Zwangsarbeiter, Essen 2010, S. 15–29 (Zitat S. 20). Autoritativ nach wie vor Mark Spoerer, Zwangsarbeit unterm Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im deutsch besetzten Europa 1939–1945, Stuttgart 2001, 13–20.
  76. Vgl. Constantin Goschler, Schuld und Schulden. Die Politik der Wiedergutmachung für NS-Verfolgte seit 1945, Göttingen 2005; ders. (Hg.), Die Entschädigung von NS-Zwangsarbeit am Anfang des 21. Jahrhunderts, 4 Bde., Göttingen 2012; Jürgen Zarusky, Arbeit und Zwang unter der NS-Herrschaft. Eine Typologie, in: Ders. (Hg.), Ghettorenten. Entschädigungspolitik, Rechtsprechung und historische Forschung, München 2010, 51–63; sowie Marc Buggeln, Unfreie Arbeit im Nationalsozialismus. Begrifflichkeiten und Vergleichsaspekte zu den Arbeitsbedingungen im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten, in diesem Band.
  77. Im Sinne des Ansatzes von Tanja Penter, Kohle für Stalin und Hitler. Arbeiten und Leben im Donbass 1929 bis 1953, Essen 2010. Die Studie ist eine der ersten, die Formen unfreier Arbeit über zwei Diktaturen – Stalinismus und Nationalsozialismus – in demselben Raum, dem ukrainischen Donbass, untersucht. Vgl. Stephan Lehnstaedt/Jochen Böhler (Hg.), Gewalt und Alltag im besetzten Polen 1939–1945, Osnabrück 2012, insbesondere die einleitenden Bermerkungen von Stephan Lehnstaedt, S. 15–29. Der Topos Arbeit bleibt in diesem Band allerdings beiseite.
  78. Vgl. Klaus Tenfelde, Forced Labour in the Second World War: The German Case and Responsibility, in: Jürgen Kocka (Hg.), Work in a Modern Society. The German Historical Experience in Comparative Perspective, Oxford/New York 2010, S. 131–152, S. 133f., 147; sowie Penter, Kohle für Stalin und Hitler, S. 11–19. Zur Subjektivität der Bewertung eigener (Zwangs-)Arbeitserfahrungen vgl. den Beitrag von Christoph Thonfeld in diesem Band.
  79. Drei Monate nach Abzug der letzten deutschen Truppen (9. Mai) wurden am 22. August 1945 vor einem kommunistischen Militärgericht in Maribor sechzehn Mitglieder der Verwaltung des Bergbaus Mežica wegen Hochverrats und Kollaboration verurteilt, vgl. Mohorič, Industrializacija, S. 305.